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Ihr könnt den Film auch unter folgendem link anschauen: Mediathek ZDF Terra X Lesch &Co
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Wie bescheuert ist das denn? Habt ihr euch diese Frage vielleicht auch schon mal gestellt, wenn ihr euch so die Nachrichten und Weltlage betrachtet
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habt? Es ist ja so, wir wissen so viel wie noch nie und gleichzeitig hat man das Gefühl, dass wir nicht die richtigen weichen Stellen, um die Probleme unserer
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Zeit zu lösen. Da könnte man sich doch fragen, und das wollen wir heute gemeinsam machen, sind wir zu dumm für die Zukunft?
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Les hall wunderbar und damit herzlich willkommen zu unserem Live bei Terra XL und Co. Wie immer natürlich mit Professor Radles und wir
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haben heute einen Gast bei uns, nämlich Aladdin Elmaflan. Er ist Soziologe, du bist Professor erstmal an der TU Dortmund und dort eben erforscht du und
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schreibst auch eigentlich über die wichtigen Herausforderungen unserer Zeit, Bildung, Migration, aber auch gesellschaftliche Prozesse wie den Zusammenhalt. Deswegen sind wir total
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froh, dass du heute bei uns bist, um über genau dieses Thema zu sprechen. Sehr gerne. Danke.
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Ja, schön. Und ähm wie immer seid auch ihr zu Hause quasi Gast mit an unserem Tisch, denn ich freue mich über alle eure Fragen im Livechat und natürlich
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auch eure Anregung und versucht die einfach mal hier in die Gruppe mit reinzubringen, so oft es eben geht.
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Genau. Harald, ich würde gerne mal anfangen. Wir haben ja so ein bisschen so einen Titel ausgewählt mit diesem Wort Ideiocracy ähm das bezieht sich auf einen Kinofilm,
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den gab es 2006, vor 20 Jahren jetzt schon äh mit dem gleichnamigen Titel.
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Damals war so die Idee, die klugen Menschen haben eigentlich nichts mehr zu sagen, sind nicht mehr da, sondern die dummen regieren, die Idioten. Damals fand man das noch sehr witzig. Heute
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könnte man sich ab und zu denken, wo stehen wir denn da eigentlich? Ähm, prophetisch schon fast meint man.
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Du als Physiker, ne, der du ja auch immer wieder gerne sagst schon, wir haben ja eigentlich physikalisch wissen wir doch, was zu tun ist in gewissen
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Bereichen, z.B. im Klimawandel. Wie betrachtest du denn die Situation?
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Das ist eine ganz schwierig zu beantwortende Frage. Man kann sich aus ihr ein bisschen rauswinden, wenn man sagt, natürlich haben wir die
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Informationen, aber wir haben möglicherweise nicht das Wissen, weil das was Informationen zu wissen macht,
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sind wir als die Personen, die mit dem Wissen dann in Zusammenhängen hängen, so umgehen, dass wir sagen, aha, das und das und das strich drunter,
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Schlussfolgern wir und ich habe auch nicht den Eindruck, dass heute sozusagen die Dummen da am Werk sind, sondern dass es eine ziemlich starke Art von
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Rücksichtslosigkeit gibt. Man könnte von politischem Egoismus sprechen, der durchaus was mit Lobbyarbeit zu tun hat,
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wo also gewisse Gruppen ihre Interessen so definieren, dass alles andere, was es da noch an zusätzlichen Informationen gibt, die in ihnen vielleicht ganz
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andere Schlussfolgerungen äh auslösen müssten, das aber nicht getan haben.
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Also, das heißt, aber um ganz ehrlich zu sein, ich schüttele manchmal den Kopf und da das kann doch alles, also so wie du angef das kann doch nicht wahr sein,
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bitte das könnt ihr doch nicht machen. Seid ihr denn alle wahnsinnig geworden?
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Also alle in dem Sinne dann natürlich diejenige Entscheidung treffen und ich habe immer häufiger den Eindruck, dass die Welt, die wir technologisch und auch
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wissenschaftlich sozusagen geschaffen haben, dass die viel zu komplex ist für uns Homo Sapiens, der äh in einer ganz
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anderen Umwelt geschult worden ist und der sehr, sehr viele Rezepte hat, die nichts mit der Welt, die er geschaffen hat oder sie geschaffen hat, zu tun hat
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und dass das diese Diskrepanz zu echten Ausfällen führt und völlig Fehlentscheidung. Ja. Ja.
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Ganz interessante Frage, ne? Hat was mit der Komplexität zu tun? Aladin, du beschäftigst dich ja mit auch dem komplexen System Gesellschaft. Wie
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schaust du da persönlich drauf und als Soziologe, ne? Sagst du auch manchmal um Gottes Willen?
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Ja, also persönlich sage ich auch schon manchmal Gott um Gottes Willen, aber als Soziologe denkt man sich dann immer, wie lässt sich das erklären, so ne. Und ich
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würde schon sagen, dass ich dir recht geben muss, ne, dass wir ein Maß an Komplexität erreicht haben, was schwer zu händeln ist, was man nicht mehr
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wahrscheinlich nicht mehr alleine über Intelligenz oder Bildung ähm aufgreifen kann. Aber ähm wenn man jetzt fragen würde, wenn man den Titel nimmt,
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Bildung, in welchem Zusammenhang steht das? Bildung oder Intelligenz zu äh zu Problem lösen,
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dann ähm ist es nicht über es ist überhaupt nicht unwichtig, aber ich bin bekannt dafür, dass ich als Bildungssoziologe immer versucht, den
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Ball flach zu halten, dass äh Bildung äh hat so eine ambivalente ähm ähm Funktion
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und wäre halt er auf der Mikroebene. Das kennen ja viele ähm äh Wissenschaften,
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dass auf der Mikroebene und die Makroebene, dass da nicht alles genau zusammenpasst. Und wenn wir jetzt Menschen äh intelligenter machen, gebildeter machen und so weiter,
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flexibilisieren wir praktisch Individuen, die die kriegen größeren Handlungsspielraum und so weiter. Und das heißt jetzt nicht unmittelbar, dass
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wir damit kollektive Probleme besser lösen. Also es ist das das verbessert vielleicht einiges,
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wenn wir z.B. Wir sehen eindeutig korreliert Bildungsniveau mit Gesundheit, mit Lebenserwartung, mit
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Einkommen, mit ganz vielen Dingen. Aber total spannend, wenn wir jetzt über Klimawandel sprechen, sieht man Bildung korreliert mit Klimabewusstsein. Mhm.
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Aber es korreliert auch mit einem größeren ökologischen Fußabdruck. Ja.
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Äh und damit haben wir jetzt zwei Sachen. Klimabewusstsein,
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das ist nicht das Problem, ne? Das ist erstmal sogar auch bei Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau besser ausgeprägt, als es früher der Fall war.
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Ähm, aber das die Frage ist halt, wie kann es sein, dass der ökologische Fußabdruck national, aber auch global
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größer ist, je stärker das Bildungs, je höher das Bildungsniveau und je stärker ausgeprägt das äh äh Problembewusstsein.
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Das hat natürlich damit zu tun, dass höheres Bildungsniveau führt ja auch zu höherem Einkommen. Höheres Einkommen führt zu mehr Konsum und solange wir das
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strukturelle Problem haben, dass Konsum zu äh CO2 Ausstoß führt,
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äh wird man das eben nicht auflösen können. Und daran sieht man schon, dass das als ein Beispiel, dass es so ein Problem gibt zwischen Mikro und
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Makroebenen. Und sobald das nicht zusammenpasst äh glaube ich ist es sehr eingeschränkt, dass ein
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dass das ähm dass das Bearbeiten von Problemen auf der individuellen Ebene zu irgendeiner Lösung führen kann. Das ist eingeschränkt. Auch nicht nur, weil wir
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unbedingt schlauer sind, handeln wir unbedingt richtiger sozusagen, ne? Das ist ja auch kein Ich ich habe ja jetzt gerade das ein bisschen idealisiert. Äh unter uns. Ähm
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ähm das hast du gerade schon bisschen angedeutet, es gibt nichts gefährlicheres als eine hochintelligente Person, die besessen ist von einer destruktiven Idee. Also das ist ja kommt
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auch noch mit dazu, aber das habe ich jetzt einfach mal rausgelassen. Selbst dann, wenn wir da solche extrem Erscheinungen mal außen vorhalten, haben
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wir würde ich schon sehen, dass wir dass wir strukturelle Probleme haben, die die eben auch eine Rolle spielen.
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Mhm. Aber das ist, aber wir haben doch durchaus auch schon von Anfang an das Problem, dass immer nur ein ganz kleiner
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Teil einer Gesellschaft z.B. an technologischen Fortschritt unmittelbar teilnimmt. Das dauert immer eine Weile,
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bis aus diesem exklusiven Kreis immer mehr werden, bis auf einmal eine Technologie oder irgendeine Art von Möglichkeit, also wirklich Technologien
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im Sinne von vernetzten Techniken, also dass auf einmal elektrischer Strom da ist und fließendes Wasser und so weiter,
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das ist ja am Anfang eine Sache gewesen für nur ganz wenige. Und dann auf einmal wird es zu einem Massenprodukt. Nehmen wir den das Phänomen des Tourismus. Im
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Jahrhundert waren nur ganz wenige Menschen auf der Welt unterwegs und haben Urlaub gemacht. Und solange es nur ganz wenige waren,
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hat der Tourismus auch keinen nennenswerten ökologischen Fußabdruck gemacht. Und selbst heute, wenn es immer noch nur die allerreichsten wären, die
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in den Ländern herumreisen würden, dann wäre das kein Problem. Aber jetzt sind es alle,
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also also nicht alle, aber sind sehr sehr sehr sehr viel viel. Das heißt, das makroskopische ist jetzt auf einmal,
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dass es in der Anzahl, es ist nicht mal qualitätsmäßig äh was verändert, sondern dadurch, dass es viel mehr geworden sind, ist ein bisschen so wie beim Uran.
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So ein Uranatom macht noch kein Problem, aber w du erreichst die kritische Masse,
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da macht’s bom. Ja, und diese Veränderungen, die sind natürlich dann ein echtes Problem für die wo man dann steht, Momente mal, wir haben doch eigentlich alle jeder unsere eigene Rationalität, unsere eigenen Begründung,
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warum wir irgendwas tun und wir wir wollen ja auch nur das Gute, also für uns und unsere Lieben und so weiter und auf einmal stellen wir fest, Mist,
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also das in der Summe ist es gar nicht gut. Ja,
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das Individuelle vers das Kollektive ist eigentlich auch, was du gerade schon angesprochen hast, ne? Ja,
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ich fand gerade ganz spannend, weil du hast gerade gesagt,
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es haben ja auch nicht immer unbedingt alle am technologischen Fortschritt gleich teilhabe. Hier kommt ein interessant in der im Livechat jemand, der z.B. sagt, wir werden nicht dumm,
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wir verlieren nur die Fähigkeit.
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Beispielsweise früher mussten wir uns noch besser orientieren können, ne? Es gab Straßenkarten, heute Apps etc. Das heißt, mit KI wird es noch dramatischer.
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Also jemand, der im Prinzip sagt, dieser technologische Fortschritt, macht er uns vielleicht äh sozusagen schränkt unsere Fähigkeiten eher noch ein. Wie siehst du
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das? ich direkt äh kann ich direkt sagen. Genau so ist es. Wir haben im MRT Aufnahmen von Gehirnen, die eben
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Hilfsmittel benutzen dürfen oder eben nicht benutzen bei den gleichen bei den gleichen Herausforderungen. Und dann kann man ganz klar sehen, also am besten ist es bei äh bei dem entsprechenden bei
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ein bei einer ähm so einem dieser wie wie nennt man die in Deutschland künstliche Intelligenz. Man sollte sie stochastische Algorithmen nennen
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eigentlich, aber ist egal, weil wir in Deutschland ja einfach das Wort Intelligence falsch übersetzt haben. Die Central Intelligence Agency ist keine
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zentrale Intelligenzagentur. Das ist der amerikanische Auslandsgeheimdienst und der sammelt Daten. Also Intelligence hat auch was mit Datensammeln zu tun, aber das nur am Rand. Aber wir wir sehen wir
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können sehen, dass ein Gehirn, das praktisch sich ständig auf einen Algorithmus verlässt, äh seine Aktivitätszone auf die Größe einer Rosine fast zusammenschrumpft, während
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bei der gleichen Herausforderung ein Gehirn, das diese Hilfsmittel nicht hat,
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wirklich über also richtig, da ist richtig in Wallung, also dieses Zusammenhänge fassen und mal so sich zu überlegen, wie handle ich denn und so
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weiter reflektierend da zu sein und daran erkennt man schon, wenn wir das, wenn wir unser Organirn nicht benutzen,
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dann wird Das wird das verfallen. Also das ist das, was mit allen unseren Organen passiert. Also Gehirntraining,
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ich sage immer Denken ist wie Google nur krasser. Ja,
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nur war so ein Stimmungsbild. Also hier schreibt jemand zu dümm war ja vertretbar, aber ein wesentlicher Großteil ist. Ich würde sagen, darauf kommen wir noch mal zu sprechen, weil
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wir ja auch noch mal über dieses Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt,
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Polarisierung und so weiter sprechen wollen. Und dann gibt’s hier zwei ganz interessante Aussagen, die mir aufgefallen sind. Der Hauptgrund, warum die Menschen dumm sind, ist die Bildung
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und nicht die Genetik. schreibt jemand versus jemand anderes, der sagt:
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“Dummheit und Intelligenz hat nichts mit Bildung zu tun.” Ich würde sagen, das ist eigentlich ein perfekter Einck, um mal über dieses Thema Bildung auch zu sprechen. Wo stehen wir denn da? Ich meine, es gab ja mal diesen Aufschrei
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der Pisa Studie in Deutschland, das ist ja eine Weile her und danach [gelächter]
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gab’s ja aber noch mal eine. Ähm ja, wie ist da dein dein Befund?
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Ja, also die erste Pisaudie war erschien 2001 und seitdem hatten wir viele, also
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alle alle drei Jahre und ähm wir sind vor 3 Jahren erschien die letzte ähm äh
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da haben wir einen neuen Minusrekord erreicht. Also das äh das ist schon besorgniserregend und das
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Spannende ist ähm auf also ich mache jetzt erstmal das Negativbild und dann müssen wir es einordnen, ne? äh das was ich ähm so besorgniserregend finde, ist
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nicht, dass ähm dass es nach der Pandemie jetzt schlechter war, ne,
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dieses Ergebnis, sondern dass das dass wir der Abwärtstrend seit über 10 Jahren ähm sich aufbaut, dass er alle Schulstufen umfasst, Grundschule,
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weiterführende Schule, alle Schulformen,
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alle Bundesländer. Also, wir sind jetzt gerade in Bayern heute ähm also auch Bayern, aber auch Hamburg. Also, wenn,
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also die Länder, die Bundesländer, die sich gerade loben, loben sich deshalb,
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weil sie weniger schnell absinken, ne? Also, man kann ja während man absinkt einen Platz nach oben rutschen, ne?
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Kommt ja manchmal vor, dass man deutscher Meister wird im Fußball,
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obwohl man gar nicht so eine gute Saison hatte, weil die anderen noch schlechter waren. Ähm und äh das das heißt also alle Bundesländer ähm und wir haben
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jetzt sogar die ersten befunde, dass Akademikerkinder sich in ihren Kompetenzen verschlechtern. Das heißt,
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ähm das ist der das ist, also das meine ich, wenn ich von freiem Fall spreche.
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Das ist nicht physikalischer freier Fall, der so stall runter geht, die Linie, also die geht nicht ganz stall runter, aber alle Indikatoren, alle Kriterien bis hin zu Kindesgesundheit,
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Wohlbefinden und so weiter verschlechtern sich und das ist echt ein Problem. gleichzeitig eindeutig wäre,
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hätte man schon meine Generation gemessen, ähm wäre es äh nicht bess nicht besser gewesen. Ich weiß nicht,
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also das Niveau wäre ungefähr in etwa gleich gewesen. Äh das äh Ergebnis jetzt war auch schlechter als bei der ersten Pisa Studie, aber jetzt nicht ein
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riesenniveau Unterschied. Wir haben also ein grundsätzliches Problem und ähm und nicht die Situation, dass man ernsthaft
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sagen könnte äh zu deiner Zeit oder zu meiner Zeit wäre alles toll gewesen. Der Unterschied ist aber zu deiner Zeit und zu meiner Zeit gab es mehr Kinder. Mhm.
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Und das System konnte sich irgendwie so eineln und sagen, komm, auf 20 % können wir verzichten. Das hört sich jetzt hart an, aber wenn wir jetzt nicht die
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Intention, sondern was wurde wirklich gemacht anschauen, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass das Bildungssystem mal so abstrakt formuliert sich damit
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arrangiert hat, dass man auf einen großen Teil der eines Jahrgangs verzichten kann, weil wir hatten genug Menschen und jetzt haben wir nur noch halb so viele. Es gibt nur noch halb so
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viele Einschulungen wie Leute in deiner Generation. halb so viele. Trotz all der Migration haben wir nur, also wir haben jedes Jahr jetzt doppelt so viele
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Renteneintritte wie Einschulung. Und das ist natürlich ein Problem, wenn ich jetzt also praktisch sage, bildungsmäßig haben wir uns jetzt nicht so dramatisch
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verschlechtert, dass also vielleicht ist es sogar auf das gleiche Niveau und so weiter, nur wir haben nur noch halb so viele Menschen, die dann kommen.
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Dann führt das natürlich zu einem Problem, weil wir alle wissen, würde man jetzt z.B. das rein biologische Argument nehmen und sagen, 10% eines Jahrgangs
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haben außergewöhnliche Fähigkeiten. Na ja, 10 % von wenig ist halt wenig und 10 % von viel ist mehr. Und damit muss man
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natürlich auch, also wir haben so richtig viele Aspekte, die man die man da berücksichtigen muss.
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Da sind wir dann auch schon wieder bei diesem Thema alternde Gesellschaft. Ich würde gerne kurz noch bei der Bildung bleiben. Harald, du beschäftigst dich ja auch viel mit mit Bildung und was da junge Menschen eigentlich äh so wissen.
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Ich würde dich gerne mal fragen,
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was müssen denn eigentlich diese neue jungen Generation, was muss die denn wissen, um mit diesen Problemen, vor denen wir da so reden, all diese Baustellen so haben,
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gut zurecht zu kommmen? Weißt, ich meine, [gelächter]
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wenn ich das wüsste, wenn ich also wenn ich dazu komm auch selber nicht z.
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[gelächter]
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Also, ich glaube, was auf jeden Fall ähm Peter Biri hat ja mal diesen wunderbaren ähm Text geschrieben, wie wäre es
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gebildet zu sein und dann stellt man fest, was ganz wichtig ist, Orientierung in Raum und Zeit.
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Das ist so ein grundlegende Methodik. Wo bin ich? weiß ich, wer ich bin, also auch historisch weiß ich, wo ich bin, in welchem Kulturraum ich mich bewege und
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kann ich einschätzen, welche Themen für mich jetzt aktuell relevant sind, welch vielleicht langfristig relevant sind, wo brauche ich Fähigkeiten und so weiter.
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Und dann ergibt sich natürlich relativ schnell ähm, dass es gut ist, ein paar Sprachen zu sprechen, weil dann habe ich einfach mehr Möglichkeit mir Informationen zu holen. Dann ist es
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natürlich gut tatsächlich auch mit den mit den digitalen Diktatoren irgendwie g so umzugehen, dass sie mich nicht manipulieren, was wiederum bedeutet, ich
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muss in der Lage sein, Quellen einschätzen zu können. Müsste also zumindestens mal sowas wie eine Grundausbildung haben, mir von welchen welche Quellen kann ich vertrauen. Das
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ist das eine. Und dann geht’s natürlich um das persönliche Verhalten, nämlich die Frage, wie großzügig bin ich mir gegenüber bei der Veränderung, die ich offenbar vollziehen muss. Es wäre z.B.
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gut langsamer zu sein. Langsamer heißt nicht nur, dass ich dann sozusagen meinem meinem biologischen Rhythmus
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angemessen Informationen verarbeiten kann und sie dann auch so praktisch strukturieren kann in mir, dass sie beginnen Wirkung zu zeigen in Form von Schlussfolgerungen,
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Verhaltensveränderungen, Werte, das Werte in mir sich bilden,
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weil sag das ist gut für mich, aber auch natürlich die Frage, wie bewege ich mich insgesamt? Also, wir haben z.B. in
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inzwischen eine beschleunigte Gesellschaft, die in eine Beschleunigung auch insbesondere in der Schule vollzieht, wo man sich fragen muss, hey,
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wie kann das sein? Wir haben eine längere größere Lebenserwartung. Warum beschleunigen wir ausgerechnet den Anfang eines Lebens dermaßen? Gerade an den Universitäten kann ich nur sagen,
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was haben wir da getan? Das gibt’s doch alles gar nicht. Früher konnte man beim Studieren schlendern, heute wird marschiert und weh, man kommt aus dem Takt raus. Das kann doch gar nicht sein.
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Wieso denn überhaupt? Das warum geben wir den Leuten nicht viel mehr Möglichkeiten und die Bildungsforschung und Verhaltensforschung alles sagt, es
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wäre besser Schule so und so und so zu machen, viel individueller z.B. erst um 9 Uhr anzufangen, weil das für den Biorhythmus besser ist und so weiter.
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Also, das heißt, da gibt’s eine ganze Reihe von ganz weichen Faktoren, die ein Land total verändern können, wenn sie eine Pausenkultur haben, eine
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Fehlerkultur haben. Und es ist unabhängig von den Herausforderungen,
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vor denen sie stehen. Wenn wir z.B. in Deutschland weniger nach Schuldigen suchen würden, wenn Probleme auftauchen,
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sondern Probleme oder Irrtümer identifizieren und sie nach vorne denken, anstatt nach hinten zu denken,
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nur um zu gucken, wer ist daran schuld gewesen und das Problem wird nicht gelöst. Das heißt, es muss Methodiken geben, die ich also das schmeiße ich jetzt einfach mal hier auf den Tisch den
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Begriff, den ich eher in Richtung Weisheit, also Lebensweisheit bringen würde, als unbedingt damit, dass man jetzt ganz genau weiß, wie man ein Problem löst. sondern viele Probleme
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sind für uns ja auch Probleme, wo wir flexibel sein müssen. Passt, wackelt und hat Luft. Wieder reinländer sagt, schon immer jangen. Also, dass man auch mal was ausprobiert und dieses spielerische,
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dieses flexible, das scheint mir ganz wichtig zu sein und nicht dieses starre und rigide. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass ich inzwischen gelernt habe, dass man solche Gehirne
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tatsächlich voneinander unterscheiden kann und sogar ihre politische Ausrichtung. Also das, was ich jetzt gesagt habe, ist sozusagen schon auch ein bisschen in eine gewisse Richtung,
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wo wir vielleicht nachher noch sprechen können. Ja. Ist das mit der Weisheit denn was, was man in der Soziologie irgendwie erfassen [gelächter] kann? Ich finde das ja ein ganz schlauen Gedanken.
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Also, oder ist das dann wieder die Mikroebene, die uns gesellschaftlich,
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gesamtgesellschaftlich kollektiv gar nicht so weiterbringt oder doch?
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Ja, es ist ein es ist ein unbestimmbarer Begriff, sage ich jetzt mal, ne, das äh man muss weise sein, um zu verstehen, was er meint.
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[gelächter]
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Ähm, deshalb aber das, was du beschrieben hast, in der Soziologie würde man ganz viele Dinge unterscheiden auf drei Dimensionen. Zeit
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zwischenmenschlich und inhaltlich, also Sozialebene und äh Sachebene. Und wir sehen das in all, wenn wenn wir das
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verstehen, so als drei Regler der Gesellschaft, wir haben bei allem auch volle Pulle jetzt. Also es ist beschleunigt Zeit, die Zeit ist beschleunigt der soziale Zusammenhang
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mit global. Wir haben mehr Menschen und nicht nur, dass wir quantitativ mehr Menschen haben, sondern der Anteil der Menschen, die mitkommunizieren, ist auch noch gestiegen. Also Anzahl und Anteil.
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Und dann haben wir neue Probleme, neue Inhalte. Also wir mussten uns als Kinder oder Jugendliche nicht mit analogen und einer digitalen Welt auseinandersetzen.
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Wir haben uns nicht mit dem Klimawandel so auseinandersetzen müssen und so weiter und so fort. Wir haben also komplett neue hochkomplexe Themen. Das
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heißt, die drei Regler, die man jetzt mal so vereinfacht als Dimension der Gesellschaftsanalyse ähm beschreiben kann, die haben sie sind
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alle so aufgedreht, dass äh das Harald es jetzt leicht hat. Also er ist sozusagen in ruhigen Gewässern hat er
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schwimmen gelernt und äh und jetzt äh und jetzt kann er es vielleicht dann tatsächlich in der ein oder anderen Ebene besser als das andere könnten,
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aber wer halt schwimmen lernen muss auf ganz wilder hoher See äh der muss sich mit ganz anderen Problemen beschäftigen und deswegen glaube ich
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Harald hat recht, aber das ist kein Modell für heute, also ist kein Modell für junge Menschen heute und von daher ähm das ist also es ist wirklich eine enorme Herausforderung,
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wenn wir jetzt z.B. Wenn uns angucken, ähm was man sieht bei jungen Menschen,
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was das ausmacht, jetzt mal nicht nicht unmittelbar Bildung, sondern das, was äh bei diesen jungen Menschen, die wir uns
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schwerpunktsmäßig angucken, wenn wir über Bildungsforschung sprechen, was die Krisen mit Menschen machen. Also wie sehr wenn nehmen wir nehmen wir mal
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jetzt die jetzt dieses Jahr 18 werden sind also 2009
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89 geboren ähm und die wenn man wenn man wenn man sich das vorstellt, die haben
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äh ähm eigentlich nur Krisen in ihremäh Leben erlebt. Die können sich zwar an den 11.
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September und die Finanzkrise nicht erinnern. Äh aber ähm 2015, das was wir Flüchtlingskrise nennen, die haben die
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viel direkter erlebt, als wir die erlebt haben. Das wurden Mitschüler, ihre Tonhalle wurde vielleicht äh genutzt, um die Flüchtlinge da ähm ähm unterzubringen. Dann kam die Pandemie.
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Eindeutig haben Kinder und Jugendliche Pandemie gemeinsam mit Hochaltrigen am intensivsten erlebt von allen Altersgruppen und wurde dabei stark
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übersehen. Dann der Ukrainekrieg, ähm Gazakrieg äh und so weiter und so fort.
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Das hat alles auf Kinder und Jugendliche viel stärkeren Impact. Digitalisierung,
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ich würde ja sagen, in unserer Gesellschaft hat nichts sich so stark verändert wie Kindheit durch Digitalisierung. Nicht der Arbeitsmarkt bisher noch nicht, aber aber Kindheit
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und Jugend. Äh, also das könnte man als alles so zusammen nehmen und dann wundern wir uns, dass junge Leute ähm äh sich so komisch verhalten, z.B. so seltsam wählen, die Erstwähler oder so.
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Ich finde es nicht so seltsam, wenn man wenn man sie sich im Kan darüber ist,
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wie sind die aufgewachsen? permanente Krisen, nie das Gefühl, ich kann mal antizipieren, ich und und nie mal Ruhe und so weiter. Und gleichzeitig, was wir
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auch verpassen, das ist gar nicht curular im Lehrplan wirklich zu bearbeiten, das muss man anders bearbeiten. Diese jungen Leute sind
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aufgewachsen mit Erwachsenen, die ihnen keine Orientierung geben. Ihre Eltern haben die regelmäßig erlebt als völlig
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überfordert, ihre Lehrkräfte völlig überfordert, die Institutionen funktionieren immer weniger. fällt viel Unterricht aus. Die Lehrkräfte gehen ja selbst auf dem Zahnfleisch und so
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weiter. Für die sind äh sind erwachsen her diejenigen. Also auf TikTok gehen in tendenziell Videos viral, nicht wo junge Leute sich selbst seltsam verhalten,
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sondern wohl alte Leute sich seltsam verhalten. Also ihr wisst hoffentlich,
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worauf ich hin möchte. Und für diese jungen Menschen ist es auch so, dass so eine Partei wie die AfD gibt es ihr ganzes Leben an. Die können sich nicht
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erinnern, dass es meine Zeit vor der AfD gab. Und die leben auch in dem Widerspruch, dass wir alle so tun, als wenn die AfD komisch wäre. Und das
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kriegen wir auch z.B. bei Interviews mit jungen Leuten raus, dass die die haben schon ein Bewusstsein, dass das eine spezielle Erscheinung ist, diese Partei,
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aber in ihrem Leben gibt es immer diese Partei und sie wächst. Ihr ganzes Leben lang wächst sie und das hat einen ganz anderen Einfluss als wie du oft dieses Phänomen blickst.
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M und das sind so Dinge, die wir auch noch mal im im Hinterkopf behalten müssen,
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dass die Art und Weise, wie Menschen aufwachsen, prägt praktisch auch das,
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wie sie die Welt sehen, nicht nur wie intelligent wir sie machen, wie sehr hier oben was vernetzt ist und so weiter und so fort.
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Aber ich würde auch denken, dass es so wichtig wäre wieder Räume zu schaffen,
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wo die einen, den die Alten, den Jüngeren erzählen können von ihrem Leben und dass wir solche solche Kommunikationsräume nicht mehr in dem Ausmaß haben, wie wir sie mal hatten.
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einfach nur mal, dass die ein davon erf also diese diese zeitliche Tiefe eines Lebens, wo ja das historische sozusagen automatisch auch das persönliche ist,
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das mitzukriegen. Da hast du völlig recht. Also in meinem in meinem Fall, in meiner Familie ist das Historische immer der Fall gewesen. Das begann gleich Anfang des Jahrhunderts. Mein Urgroßvater war in Namibia Polizist. Ja.
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Ja. muss man sich überlegen. Mein Großvater ist da geboren. Äh auf der anderen Seite gibt’s eine gibt’s eine Familie, die eben ganz tief im in im
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Oberhäischen ver verwurzelt war und wie und was da alles so passiert ist, da ist dann ein Kriegsgefangener aus Weißrussland ist dann hier geblieben na
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Krieg und so laut laut und und wurde ein wichtiges Familienmitglied und das ist immer thematisiert worden. sind immer Geschichten erzählt worden und damit
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Geschichte und heute wird vieles getan und das sieht so alles so gegenwärtig aus, aber es es wird nicht mehr darüber geredet,
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wie wie sowas gekommen ist und warum wir uns Gedanken machen müssen bei einer Partei, die eben gesichert rechtsextrem ist, wie dass wir uns sowas nicht
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leisten können und so weiter. Und das ist natürlich, da bin ich, bin ich völlig bei dir, dass diese Wahrnehmung natürlich letztenendes durch die Erwachsenen in der Familie oder in der
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Umgebung dann auch entsprechend so hergestellt werden muss.
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Und ich fürchte, du hast so recht gehabt, als ich das mit dem Weisheitsbegriff hier auf den Tisch geboren habe, dass das natürlich für die
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jungen Leute heute jetzt nicht das erste Patentrezept sein kann, aber es wäre doch eigentlich unsere Aufgabe, die Strukturen zu schaffen,
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dass wir wieder entspannter werden. Also das, worüber wir letztenendes sprechen,
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,
ist ja Hysterie, Anspannung irgendwie und das ist ja alles rigide. Das ist ja etwas, was uns abhält davon sozusagen ein bisschen lockerer zu sein und
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vielleicht auch ein bisschen flexibler reagieren zu können. Also diesen Druck aus dem Kessel rauszunehmen und eher noch mal zu sagen, da ist noch ein Jahr
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mehr drin oder hier, dann machen wir mal das. Also wirklich diese Großzügigkeit,
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die in anderen Gesellschaften so so viel deutlicher zu spüren ist. Ja,
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und das finde ich, da haben wir in Europa und namlich in Deutschland äh nicht nur, dass wir im Lamento 10 leben,
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also in dem Erzeitalter des Lamentierens, äh sondern auch äh, dass wir einfach viel zu viel zu hastig geworden sind. Ich träume von einem
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Deutschland, wo morgens um 9:30 Uhr alle Leute äh, die im Auto sitzen und alle Fahrradfahrer und alle Fußgänger erstmal einfach stehen bleiben und sagen: “Guten
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Morgen, wo kommst du her? Erzähl doch mal.” Für einfach mal wum. Ja, das ist doch eine sehr schöne Idee.
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Das wäre sowas, wo ich denken würde, das würde so viel aber guck mal jetzt lernen wir uns langsam der strukturellen Ebene. [gelächter]
26:02
,
Komm gleich. Ich würde einmal gerne noch mal an euch den Aufrufen. Stellt gerne mehr Fragen. Ich sehe ihr diskutiert schon ganz viel, aber gerne auch noch ein paar Fragen, dann kann ich die
26:10
hiermit in die Runde einstreuen und sehr gut, wir kommen jetzt auch auf die strukturelle Ebene. Ich wollte einmal noch mal ganz kurz hier ein Gedanken aufgreifen, weil wir jetzt ganz viel über Komplexität und Überforderung eigentlich schon gesprochen haben, ne?
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Hier schreibt jemand äh nämlich Theo vielleicht verspezialisieren wir Experten und die Allgemeinbildung leidet wegen Reizüberflutung. Fin ich auch noch
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mal ganz interessanten Aspekt. Also dieses Thema brauchen wir so eine Art Komplexitätskompetenz? Kann man sowas überhaupt vermitteln einer Gesellschaft? Mhm.
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Wie seht ihr das? Mhm.
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Also, der Umgang mit Komplexität ähm das ist schon eine ähm eine Kompetenz. Äh das glaube ich schon. Und ich glaube
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auch, dass äh Menschen heute die Fähigkeit eher haben als Menschen vor 200 Jahren oder 500 Jahren. Ähm nur äh
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ich befürchte, dass der Komplexitätszuwachs in unserer Gesellschaft ein bisschen schneller verläuft, als äh unsere Fähigkeiten mit
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,
Komplexität umzugehen. Und ähm und gleichzeitig wir beide sind wirklich Experten in unseren Gebieten und dennoch müssen wir sagen, selbst in unseren
27:10
Gebieten verstehen wir nicht alles und geschweige denn in anderen Gebieten. Das heißt, was ja, was was du glaube ich eingangs gesagt hast, wir wissen so viel
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wie noch nie. Das stimmt und das ist gleichzeitig auch ein Problem. Äh es das Leben ist leicht äh wenn man so viel Wissen hat und oder verarbeiten muss,
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wie man auch wirklich verarbeiten könnte und so sind wir ziemlich auf aufeinander angewiesen, was ist was im übrigen auch oft Menschen Angst macht. Ja,
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ich muss mich darauf verlassen, dass Leute, die gesundheitliche Kompetenz haben, ihren Kram machen, dass Leute,
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die technische Kompetenz haben, ihren Kram vernünftig machen und vieles mehr.
27:45
Und gleichzeitig erleben wir durch die ganzen Krisen, die wir haben,
27:50
dass das nicht nicht immer richtig klappt und ähm also völlig nachvollziehbar, ich habe das selber mal beschrieben, mit völlig nachvollziehbaren sogar
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vielleicht sogar guten Gründen entwickeln die Menschen zunehmend Misstrauen.
28:03
,
Ja. Ja. Ja. Aber das ist ja der Vertrauen reduziert ja Komplexität. Das,
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,
was du gerade beschrieben hast, ist ja genau dieser Reduktion, diese diese Verringerung von Komplexität, dadurch, dass ich anderen dass ich anderen vertraue. Das
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Schöne ist aber, und da bin ich fest von überzeugt, das allerwichtigste in dem komplexen System ist sich darüber zu fragen, auf welche was ist jetzt
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zeitlich oder räumlich eigentlich relevant? Und das ist die Aufgabe der älteren Generation, zumindestens den Jüngeren mitzuteilen, mit was für
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Erfolgsrezepten haben wir früher bestimmte Lebenssituation oder ähnliche vielleicht nur auch nur verwandte Lebenssituationen gemeistert. Dieser berühmte Satz: “Schlaf erstmal drüber.”
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Ja, bevor du also jetzt gleich wieder loslegst und schon wieder in dem ja sofort reagierst, vielleicht wäre es besser, schlaf erstmal drüber sich noch mal Gedanken zu machen. Das ist ja
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eigentlich was ganz banales erstmal durchzuatmen, sagen Moment mal, also bevor man jetzt hier wieder sich hysterisch da aufgabelt und ich würde
28:59
z.B. allen empfehlen, die versuchen möchten einen Überblick über die Naturwissenschaften zu bekommen, entlang des Geschichtlichen zu gehen, zu
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,
schauen, da hat das Universum angefangen, da ist das passiert, da ist das passiert, da ist das passiert. Das ist eine schöne Orientierung, entlang der man eine ganze Menge ohne in die Einzelheiten so genau verstehen kann.
29:17
Aha, so hängt das zusammen. Und also und das heißt, da liefert wieder die Zeit nicht als ein Bedrohung für mein alltägliches Leben, sondern viel mehr
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als Orientierung. Was ist denn eigentlich vorher wie gewesen und wo gewesen? liefert dann eine, wie ich finde immer eine gute Sache und ich liebe eine Vorlesung, die ich halte, die
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heißt Geschichte der Natur vom Urgnall bis heute und heute im wahrsten Sinne des Wortes und das alles mitzunehmen und immer wieder auch noch mal diese
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Zusammenhänge zusammenz und die Studierenden sind da ziemlich begeistert von dieser Vorlesung.
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Aber ich wollte gerade sagen, ne, dieses Thema, ich muss dann auch anderen Experten sozusagen vertrauen, also hat das was auch oder wie sehr hat das was mit der Kommunikation zu tun? Also hier
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schreibt z.B. Belgien ähm Soziologie bezieht jetzt auf auf deine Wissenschaft, aber kann man bestimmt auch erweitern, ne? Äh darf nicht im Elfenbeinturum bleiben. Wenn Forschung
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,
zu weit weg vom Alltag ist, entstehen Berichte, aber keine Verbesserung. Also,
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,
wie sehr seht ihr da die Institution Wissenschaft auch in der Pflicht zu kommunizieren und reinzugehen in den Alter? Das ist eine spannende Frage,
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[gelächter]
30:15
aber jetzt hast du natürlich zwei hier sitzen, die die das machen und du viel krasser und länger als ich, aber ähm ich
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sehe selber sogar eine Zeit gekommen, wo ähm oder ich fange mal ganz kurz anders an. Äh wir wir haben eine Gesellschaft auf struktureller Ebene, wo äh
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verschiedene Systeme ziemlich autonom laufen. Das ist ähm das ist ins in mehrerer Hinsichten Herausforderung,
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sogar ein richtiges Problem, weil äh wenn wir jetzt bestimmte Probleme lösen wollen, nehmen jetzt mal den Klimawandel, den kann kein Teilsystem
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alleine lösen. Das heißt, wir haben eine Gesellschaft, die hat sich etabliert durch sie ist produktiver, effektiver geworden, indem sie Probleme zerstückelt
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hat und dann sehr kleinteilig autonome Einheiten haben das kleinteilig dann aufgelöst. Jetzt haben wir Herausforderung. Klima ist ja nur eine
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,
davon, aber eigentlich alle großen Herausforderungen sind so umfassende Probleme, dass sie nur in den Griff gebracht werden können, wenn diese eigentlich autonomen Bereiche,
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Wirtschaft, Politik, das Rechtssystem,
31:16
das Wissenschaftssystem, also wir beide machen doch was wir wollen. Keiner kann uns sagen, wozu wir forschen sollen oder was wir lehren sollen. Also die Disziplin, die wir lehren sollen, schon,
31:24
aber was dann wir genau was wir dann genau machen, wer soll es denn überprüfen? Wir sind doch die Besten in unserem Bereich. Stellt euch mal vor, de dein Ministerpräsident entscheidet, was in Physik 1 gemacht [gelächter] wird.
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Wür gerne das würde er gerne, aber aber aber also zumindest in demokratischen Gesellschaften funktioniert es so nicht.
31:41
Und aber das Problem ist jetzt, wir kriegen den Planeten nur für uns nur dann gerettet, wenn wir kooperieren,
31:50
abgestimmt handeln und unsere Gesellschaft ist auf struktureller Ebene. Das hat erstmal nichts mit Intelligenz und Bildung zu tun, nicht dafür ausgerichtet. Das ist also die
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moderne Gesellschaft, die sich jetzt ein paar hundert Jahre so aufgebaut hat, der fehlen erstmal die Instrumente so zu
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,
arbeiten, so zu kooperieren und damit meine ich sowohl diese Systeme, die ich gerade meinte, als auch Nationalstaaten.
32:12
Wir können das ja auch nur lösen, wenn die Nationalstaat noch mal eine andere Ebene.
32:15
So und jetzt kommt aber noch eine andere Ebene. Die Wissenschaft selber muss also muss sich also auch wirklich ändern.
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Also nicht in unseren Methoden und wie wir forschen, sondern in der Art und Weise, wie wir in andere Systeme reinkooperieren, aber auch wie wir öffentlich kommunizieren. Wie soll
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jemand ähm äh ich gucke mir das ja selber an, das ist sogar ein bisschen Gegenstand unserer Forschung, meiner meiner Arbeitsgruppe und den Kooperationspartnern.
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Wenn wenn Leute bei TikTok jetzt Menschen sehen, die die nicht qualifiziert sind äh und über mein Thema
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sprechen, äh es ist nicht mehr wirklich möglich für je ein Lein einen interessierten Bürger oder eine interessierte Bürgerin zu
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identifizieren, weil die treten hoch professionell auf, haben vielleicht sogar mehr Charisma als der eine oder andere Soziologe z.B. äh und erzählen
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,
Sachen, die aber ähm ähm bestenfalls unvollständig sind. Ähm und wie wie kann
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,
das jetzt jemand differenzieren? Also woran kann man das erkennen? Ist der vertrauenswürdig? Hat er die Qualifikation? Ist das eigentlich
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wissenschaftlicher Konsens oder überhaupt Vertreten in der Wissenschaft und so weiter und so fort? Und das ist das muss zunehmend Verantwortung der Wissenschaft sein. Bisher ist es so,
33:26
dass man so jemand wie Harald Lash braucht, der von sich aus das macht und dann ganz mit Preisen überhäuft wird und so. Dann hat man so indirekte Signale.
33:34
Ach guck mal,
33:34
Wissenschaftsgesellschaften haben ihnen ausgezeichnet, dann wird sogar innerhalb der Physik eher einen großen Status haben und so. Aber ich glaube, die Zukunft muss so sein, dass wir dass dass
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die Wissenschaft selber auch sprechen sprechfähig sein muss. Ich weiß noch nicht, wie das geht. Ich frage jetzt nicht gleich, wie es wie liegt, aber dass die dass die [gelächter]
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Wissenschaft selber sprechfähig sein muss und vielleicht sogar,
33:56
also ich stell mir jetzt gerade vor, es gibt einzelne Vertreter, die sogar einen Doktortitel haben oder sogar ein Professorentitel haben und trotzdem Sachen erzählen, die schwierig sind. Und
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,
im Augenblick ist es so, dass im Prinzip in allen Disziplinen ähm das einfach unkommentiert dann stehenelassen wird.
34:11
Viele Fachvertreter sagen, dann ist nicht meine Aufgabe und so weiter und so fort. Journalismus kriegt das auch nicht mehr hin und so und das muss man neue Lösung finden, wie man wie man diese
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Komplexität reduziert und zumindest für diejenigen, weil es es klar, es gibt Leute, die wollen an Verschwörungserzählung glauben, aber die
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Leute, die eigentlich sich schon interessieren, für was ist unterscheidbar und wahrer als was andere erzählen, die sich dafür interessieren,
34:36
die brauchen Orientierung und diese Orientierung, das muss die neue Aufgabe auch des Wissenschaftssystems sein, das zu kommunizieren. Damit sagst du
34:44
natürlich, also wenn Hanna Arend hat mal geschrieben in ihrer Vita aktiver, alles was wir Menschen sprechend verhandeln ist politisch. Mm. M
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das heißt, du hast gerade gesagt, die Wissenschaft muss politischer werden und zwar nicht in einem parteipolitischen oder parlamentarischen Sinne, sondern
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sie muss sich mehr auf der Aura einmischen, wenn da irgendwas erzählt wird, dann wenigstens zur Klärung von Sachverhalten beitragen und nicht zu
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,
Missverständnissen kommen lassen in einem Medium, das ja auch noch die Eigenschaft hat, praktisch ein Quadratelfant zu sein. Elefanten
35:14
vergessen nichts. Das Internet vergisst überhaupt nichts. Das heißt, es bleibt immer da, die man hat immer wieder praktisch muss muss immer wieder einen
35:22
neuen Anlauf machen. Und ich finde das natürlich großartig, wenn es uns gelänge, ähm dieses diese Forderung, das
35:30
denkende durchdringen von dem, was wir tun. Das ist ja nicht nur in einer Wissenschaftsform, sondern es sind ja verschiedene Möglichkeiten, wie man ein
35:38
Wissen, wie mir eine Herausforderung Denken durchdringen kann, aber es muss eben auch Denken durchdrungen werden,
35:44
damit wir am Ende wissen, was wir überhaupt tun. Ansonsten bleiben wir ja auf der funktionellen Ebene eigentlich stehen und wir bauen jede Maschine,
35:51
deren wir habft werden können, völlig und das sehen wir ja gerade, also dass wir jetzt nicht nur Akteure haben, mit denen wir uns vergleichen, die ja
35:58
wirklich existieren, nämlich andere Menschen. Das war ja schon ein Problem für die junge Generation. Jetzt haben wir einen Außerirdischen, wie ich immer sage. Also das, was mit diesen
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,
Algorithmen los ist, ist ja der perfekte Außerirdische. Der ist uns Haus überlegen und wir verstehen nicht, was er macht. Also genau das so. Und damit haben wir noch eine weitere Dimension,
36:16
die uns noch weiter belasten wird, weil wir uns natürlich fast schon automatisch gerade die jüngeren Leute sich als
36:23
Mängelwesen erleben. Ich bin nicht gut genug für diese und das ist natürlich die Katastrophe schlecht hin. Wie willst du dein Leben anfangen, wenn du das Gefühl hast, oh Gott, oh Gott, oh Gott,
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ich kann ja diese ganzen Anforderung gar nicht erbringen. Und da sollten wir wieder auch um unsere jungen Leute drumrumstehen, so wie das andere ja andere sozusagen Population auch machen.
36:42
Wir schützen unsere jungen Leute vor diesem ganzen Irrsinn im Gegenteil,
36:46
damit sie sich erstmal entwickeln können und stark genug werden können und mit diesen Herausforderung, die halt in diesem perversen Art und Weise auch noch von uns selber geschaffen worden sind,
36:55
dass wir dass sie das hinkriegen.
36:57
Aber jetzt als Antwort zu der Frage gerade, ne?
37:00
Also Elfenbeinturm. Genau. Ich würde es jetzt nicht politisch nennen, sondern öffentlich. Das stimmt schon total. Also die Wissenschaften müssen öffentlicher werden und einzelne Wissenschaftler sollen ruhig im Elfenbeinenturm bleiben,
37:10
weil nur im Elfenbeinenturm, glaube ich,
37:12
gibt es Nobelpreisträger und so weiter und so fort, ne? Aber die Wissenschaft insgesamt muss öffentlicher werden und darf nicht komplett im Elfenbeinturum
37:20
sein. Deswegen gebe ich dem recht. Da danke ich dir sehr viel. Dann nach dem nach dem Begriff suche ich schon so lange [gelächter]
37:26
öffentliche Wissenschaft. Guck mal, das witzige ist, dass du den Begriff nicht benutzt oder oder kennst und dabei bist du der Prototyp des öffentlichen Wissenschaftlers.
37:34
[gelächter]
37:35
ist ganz spannend. Wir haben jetzt gerade eigentlich diese Frage ja rund um dieses Thema, was muss die Institut Wissenschaft auch noch leisten geredet,
37:41
aber da drin hat eigentlich was ganz interessantes gesteckt, nämlich auch dieses Thema, wie lösen wir denn diese wahnsinnig komplexen Probleme und haben wir dafür eigentlich die Struktur, ne?
37:49
Das war ja das, was du da gerade mitbenannt hast und da schreibt hier jemand, nämlich Nordic More äh bringt quasi dieses Thema Zeit und Druck mit
37:57
rein. Da schreibt nämlich, wie soll man den Druck rausnehmen, ne, was du auch sag ein bisschen langsam rein, wenn man ständig das Gefühl hat, die Zeit läuft uns davon, z.B. Erwärmung, Attensterben,
38:06
,
dergleichen, hat er ja recht, ne? Also waren wir da nicht vorausschauend genug und und wie kriegen wir das jetzt noch gewupt? Das ist eindeutig. Aber jetzt
38:15
nur, damit wir einmal auch Selbstkritik üben. Das was wir, worauf wir beide uns gerade ganz schnell eingelassen haben, führt zu weiterer Beschleunigung.
38:22
Wenn wir jetzt uns öffentlich und wenn wir sagen, die Wissenschaft soll sich stärker öffentlich, dann dann wird die Wissenschaft ja schneller. Elfenbeinturm ist ja nichts anderes als Entschleunigung.
38:30
Ja,
38:30
man ist befreit von Raum und Zeit, um Erkenntnisse zu gewinnen. Am Anfang hat Harald noch gesagt,
38:36
Entschleunigung ist eine Lösung. Jetzt haben wir uns beide drauf geeinigt,
38:39
Beschleunigung aber auch. Und und das Ding ist, wir brauchen Und das Ding ist,
38:42
wir brauchen beid
38:45
[gelächter]
38:46
hole Wasser. Ja, wir haben einfach unsere Gläser sind alle leer und dann müssen wir hier mal Ich danke dir. Volle Transparenz hier
38:55
ist recht warm, deswegen trinken wir so viel.
38:57
Es ist sehr warm, sonst hätte ich auch nicht ein T-Shirt an.
38:59
[gelächter]
39:00
Danke dir,
39:02
,
das Wasser reichen. Ich glaube, ich glaube die die Überkomplexität, der wir uns gegenüber stehen, der wir gegenüber stehen, ähm zwingt uns,
39:11
dass wir lernen, beides zu können.
39:15
Entschleunigen und beschleunigen, dass wir entscheiden können, aber nur entschleunigen wird niemals funktionieren, nur in diesem Hamsterrad immer schneller. Ähm, ich meine,
39:24
theoretisch kann das funktionieren, aber dann bleiben wir nicht gesund im umfassenden Sinne. Und deswegen ist eigentlich das Ziel ähm, dass wir die
39:32
Fähigkeit entwickeln als Individuen und kollektiv Mhm.
39:36
selbstbestimmt beschleunigen und entschleunigen zu können.
39:41
Und das ist äh das ist noch Zukunftsmusik, aber eigentlich so muss man denken, nur entschleunigen und nur beschleunigen, das ist fremd bestimmt,
39:49
wenn nur ein einer der beiden Pole geht.
39:51
Und deswegen brauchen wir beides. Ähm und äh und die Lösung, die wir gerade hatten, nur damit wir einmal noch kurz ähäh uns klar machen, wäre weitere
39:58
Beschleunigung. Ich glaube, es geht gar nicht anders. Wir können auf drängende Themen nicht entschleunigt reagieren.
40:04
,
Wir können aber auch nicht einfach sagen, alles wird beschleunigt, auch die unwichtigen Dinge, die Dinge, die einen aufhalten und so weiter. Und deswegen müssen wir die Fähigkeit in beide
40:13
Richtungen erlangen. Und das kriegen wir noch nicht. Da gibt’s natürlich durchaus die Möglichkeit, sich mal zu vorzustellen, wir haben auf der einen Seite die Zeit, wie sie läuft als
40:21
Uhrzeit. Gronos heißt es bei den Griechen und dann gibt es diese besonderen Momente. Das ist der Kairos,
40:26
das ist da, wo du schnell sein musst, um eine Gelegenheit beim Schopf zu packen.
40:30
Und wenn du sie verpasst, der ist hinten nämlich Karl, dann hast du es verpasst. Das heißt, mit einer, sagen wir mal,
40:35
variablen Zeitvorstellung könnte man durchaus sich an so eine flexible Beschleunigungs und Entschleunigungs diese Entschleunigungsphasen müssen her.
40:44
Also das ist die Phase, wo man eben nicht Tod-Do Listen schreibt, sondern let it be listen. Ja, ganz wichtig. Und aber an einer anderen Stelle, da heißt
40:51
es schnell zu sein. Ein Chirurg, eine Chirurgin muss im entscheiden Moment schnell sein oder eine Hebam, wenn Leben und Tod. Aber der große Teil unseres Lebens, da sind wir offenbar jetzt schon
41:00
in so einem Standby Modus, als wenn wir immer alarmiert sein müssten, was aber gar nicht der Fall ist. Ja, und das killt auch viele nimmt auch viele unsere Ressourcen.
41:08
,
Aber wie steuern wir das denn gesamtgesellschaftlich, denn hier schreibt ja nicht zu Unrecht jemand,
41:12
wieso sollten denn die Bereiche der Wirtschaft und Politik, klammer auf mit primär kurzfristigen und ökonomischen Interessen Klammer zu überhaupt gewillt
41:20
sein, derartig mit der Wissenschaft verschränkt zu arbeiten?
41:23
Das ist, das geht natürlich auf einen alten Satz zurück. Wir haben jetzt gerade über Zeit gesprochen, aber eigentlich haben wir über Geld gesprochen, nämlich Time is Money, wo
41:30
ich dann immer gerne äh Gott hab ihn selig äh den guten Karlinz Geisler zitiere. Das war ja nur ein ein
41:39
Verhörer. Benjamin Franklin hat gar nicht gesagt Time ist money, hat gesagt Time ist honey. Und völlig falsch zitiert. Wunder Karl hat das so oft so
41:47
wunderbar. Ich bin ja ich bin und das heißt in dem Moment, wo wir über Zeitmanagement sprechen oder überhaupt über wie wir mit Zeit umgehen ist die Frage wie mit Geld umgehen. Damit sind
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wir im ökonomischen Bereich und die haben natürlich eine ganz andere Rationalität als als sozusagen als Privatperson und je nachdem in welchem Bereich deines Lebens du dich verhältst,
42:05
,
musst du praktisch der den ökonomischen Randbedingungen nachkommen und irgendwie gucken, dass du schnell genug bist. Oder aber du kannst es dir leisten dich zurückzulehnen für ein Moment sagen,
42:15
Ball flach halten, stabile Seitenlagebul 60, kein Blutverlust und das können nicht so viele. Ja, das ist eben tatsächlich ein riesen Problem, wenn
42:22
wenn Erwartungen da sind, ökonomische Erwartungen z.B. von Rendite und diese Erwartungen sind deswegen da, weil die Rendite gemacht werden muss, um an anderer Stelle über Kapital zu verfügen,
42:33
was dann wieder ausgeschüttet werden muss. Altersversorgung z.B. auf der Ebene von von Kapitalanlagen. Das muss ja irgendwie erwirtschaftet werden. Wer
42:41
erwirtschaftet das? Und damit ist es natürlich klar, dass wir, wenn wenn wir das anfangen, dann fangen wir an und gehen an die Wurzel des Problems, dass
42:49
wir nämlich unsere Lebenszeit im Arbeitsprozess sozusagen als Ressource anbieten und uns bezahlen lassen dafür.
42:56
Ja, und dann wird’s aber ganz ganz ganz dust. Ähm, das ist sowas ähnliches wie gerade mit Beschleunigen. Wir haben eine Gesellschaft, die und ich glaube, das
43:04
,
ist im Statusquo heute so auf Wachstum angewiesen ist. Ja,
43:09
,
das heißt, man kann sagen, das ist ärgerlich, ne? Aber alles, alle unsere Systeme basieren darauf, dass sie nur
43:17
funktionieren, wenn sie wachsen. Das ist jetzt äh, wenn man das logisch durchdenkt, muss das irgendwann an Grenzen eigentlich stoßen, ne? Aber unsere Gesellschaft ist so gebaut, ne?
43:27
Ähm und jetzt ist es so, so wie ich gerade gesagt habe, beschleunigen und entschleunigen und es ist es müsste eigentlich so das Ziel sein, nicht
43:35
schrumpfen, sondern dass wir entscheiden können, hier wollen wir wachsen, da wollen wir schrumpfen, das beides geht im Augenblick. Wir stellen noch mal ganz kurz vor. Wir würden jetzt einen
43:44
Volksentscheid machen und sagen, wir sind bereit 5 Jahre zu schrumpfen. Das hat Auswirkung auf alles. Unser Rentensystem, unser Gesundheitssystem,
43:51
das Wissenschaftssystem würde nicht mehr richtig funktionieren, weil auch das muss ja irgendwie finanziert werden. Und wir haben alles eigentlich so aufgebaut,
43:58
dass es nicht funktioniert, wenn wir nicht Wachstum haben. Und das Wachstum damit meine ich nicht nur Geld und Ökonomie, sondern das
44:05
,
Wissenschaftssystem. Alle alle sind eigentlich auf eine Steigerung der Quantität ausgerichtet. ist ja auch ein bisschen ärgerlich, dass wir kaum hinterhermen alle Artikel zu lesen, die
44:14
veröffentlicht werden und so und das ist nicht nur, dass es auch mehr Wissenschaftler gibt, sondern jeder veröffentlicht auch noch mehr, jeder einzelne. Und das heißt und wir haben
44:22
eine Gesellschaft, die ist auf Wachstum gepolt und zwar als Zwang,
44:28
nicht weil sie es kann, sondern sie muss. Mhm. Und ähm auch,
44:33
weil was würde passieren, wenn ich also weil dann unsere Systeme nicht mehr so funktionieren nicht mehr stabil. das System würde instabilen. Das ist ähm ähm
44:43
und das heißt aber nicht, dass es nicht veränderbar ist, aber dann muss man ganz ganz andere ähm dann muss einem klar sein, dass wir nicht mit dem Tanker mit
44:51
mit dem wir gerade unterwegs sind, das das hinbekommen. Und äh jetzt jetzt kann man überlegen, da haben wir da haben wir euch naturwissenschaft schaftliche Expertise ja dabei. Das ist der Grund,
45:02
,
warum die Hauptstrategie ist, weil man eben nicht glaubt, dass man die Gesellschaft insgesamt in der ihrer Logik ändern kann zu sagen, wir müssen entkoppeln Wachstum und CO2.
45:12
Ja,
45:13
wenn das denn geht, dann finden wir eine Lösung. Mhm.
45:17
Wenn das aber nicht geht, wofür aus meiner Leinsicht genauso viel spricht,
45:23
also ist so eine fifty50 Situation, ist nicht geklärt, dann haben wir ein doppeltes Problem,
45:27
weil dann haben wir das Problem des naturwissenschaftlichen Klimawandels und der gesellschaftlichen Krise, dass sie es nicht anders kann und dass wir dann
45:35
ganz schwier schwerwiegende Einschnitte in Kauf nehmen müssen, ne? Aber deswegen, aber es ist eine kluge Idee zu sagen, die Gesellschaft kriegen wir so
45:44
nicht geändert. Wir müssen Wachstum und CO2 voneinander entkoppeln. Im Augenblick ist es noch sehr eng gekoppelt. Äh ne, jedes Wachstum führt zur Erhöhung von CO2 Ausstoß.
45:53
Ähm und äh ich hoffe, dass ihr jetzt gleich sagt, kriegen wir hin, den das zu entkoppeln.
45:58
Na ja, was auf jeden Fall ja möglich ist, ist, wenn wir wir schauen uns ein Wirtschaftssystem an und können fragen,
46:03
,
was muss denn ein Produkt kosten, wenn wir wirklich ehrlich umgehen? Dann müssen wir entsprechende Schäden, die die Produktion des Produktes verursacht,
46:11
mit in den Preis mit reinnehmen. Bis jetzt haben wir die Natur nie mit in den ökonomischen Prozess mit reingedacht. Allmählich wird uns aber immer klarer,
46:20
wir haben ja vor allen Dingen Abfallproblem. Ja, CO2 in der Atmosphäre ist Abfall von Verbrennungsprozessen.
46:25
Die kriegen wir nicht weg. Wegen der Schwerkraft der Erde haut das nicht ab,
46:28
bleibt also hier. Also müssten wir und das ist ja auch der Idee des MC CO2 Emissionshandels, genau das gleiche müssten wir für Kunststoffe machen, denn
46:35
auch das ist ja etwas wo also es wird es es muss eine Art von Wirtschaften her,
46:42
die vom Ende her denkt. Also ein Produkt darf nur dann in den auf den Markt kommen, wenn von vorne rein klar ist,
46:48
was machen wir mit den Abfällen, die dieses Produkt in irgendeiner Form erzeugt. Das wäre eine verantwortliche Art des Wirtschaftens. Und dann natürlich die gute alte Spieltheorie,
46:58
die immer sagen würde, nur dann, wenn alle hier am Tisch auch mal gewinnen,
47:02
,
geht das Spiel weiter. Wenn es aber nur einer ist oder ein Nee, die hier jetzt demnächst alles besitzen wird, wird die Story nicht weitergehen. Und das ist
47:10
offenbar vielen vielen der reichsten Superreichen nicht klar, welche Bedrohung sie darstellen durch den massiven Kapitalkonzentration,
47:20
was viel besser wäre für den Kapitalismus insgesamt wäre, wenn viel mehr Leute die Möglichkeit hätten tatsächlich auch was zu konsumieren.
47:27
Also, aber worauf ich hinaus will, ist, dass diese starke Kapitalkonzentration,
47:32
die letztenendes ja nur eine Konsequenz von Mathematik ist. Du hast ab einer bestimmten Menge an Geld, wenn du das zu irgendeinem Prozentsatz anlegst, kannst
47:40
du überhaupt nie wieder nie wieder arm werden. Ich empfehle allen Andreas Eschbach großartigen Roman eine Billion Dollar. Da kann man das also nachlesen.
47:47
Ganz genau. Du kannst nicht mehr nie wieder arm werden, auf keinen Fall. Und das hieße aber wir könnten sehr wohl und
47:56
das ist natürlich eine Frage z.B. an so ein Kontinent wie Europa. Wer wollen wir sein? Wenn wir über Visionen für Europa nachdenken, könnten wir sein, wir sind
48:04
,
der Kontinent. indem wir versuchen durch die entsprechenden Umverteilungsmaßnahmen das Spiel am Laufen zu halten. Wir wollen gerecht sein. Wir wollen unsere
48:12
Normen, die wir der griechen Philosophie, dem christlichen Abendland oder wem auch immer verdanken, den nach denen wollen wir gehen. Wir sind so vielfältig in Europa, diese Vielfalt
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wollen wir unbedingt erhalten und das könnte Ziele sein, wie so eine große Gemeinschaft von 500 oder 550 Millionen Menschen in Zukunft zusammenlebt. Das
48:30
wäre mal was so eine Visionskommission zu haben. Nur wir haben ja zwei Probleme. Ja,
48:35
die erste Hälfte zumindest deines Monologs ja, passt mit Wachstum nicht so richtig.
48:40
Und die zweite Hälfte passt mit autonom handelnden Menschen nicht so richtig.
48:45
Aber genau darüber haben wir gerade die ganze Zeit gesprochen. Wir müssen enger kooperieren und wir müssen äh selbstbestimmen selbstbestimmter agieren
48:53
können, wenn es denn ginge. Im Augenblick ist die Gesellschaft dazu nicht in der Lage, aber so das wären jetzt z.B. eine ausgemalte ähm eine
49:00
ausgemalte neue Idee davon, wie wir selbstbestimmter und kooperativer sein können.
49:06
,
Ich finde das ganz spannende, dass wir jetzt dann doch so abtriften in diesem Bereich wieder, was bräuchtest denn, wie können wir es besser machen? Sitzen of an diesem Tisch zusammenhand und reden über dieses genau diesen
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Transformationsprozesse, ne? Was bräuchen, um das alles sozusagen hinzukriegen. Ich würde euch gerne einmal noch mal zurückholen auf dieses Thema. Wir haben es ja so ein bisschen plakativ formuliert, sind wir zu dumm
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für die Zukunft, aber ich habe jetzt schon verstanden aus unserem Gespräch,
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es geht gar nicht so sehr um individuelle Intelligenz oder wie sehr gebildet jetzt jeder einzelne ist,
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sondern eben um dieses kollektive Zukunftsfähig sein, nenne ich es jetzt mal, also wie wir das als Gesellschaft zusammen formuliert. Ja,
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danke schön.
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Und darauf würde ich euch gerne noch mal so zurückholen, ne, also dass wir da noch mal hingehen zu sagen, was sind denn da die Probleme, die uns, wenn es nicht die Dummheit ist, sondern daran
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hindern. Also ist es das, wie gut wir miteinander zusammenarbeiten können, warum kommen wir nicht kommunizieren?
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Ist es ein Misstrauen? Wisst ihr, wie ich meine? Also auf was ich dein Begriff jetzt ernst. Kollektiv zukunftsorientiert, ne?
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Ähm ein großes Problem jetzt, ne?
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,
Klimawandel, wir können aber auch andere Themen nehmen, ist das äh und das ist echt ein Grund auch wieder ein strukturelles Problem. Jetzt mal auf
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einer anderen Ebene. Wir diskutieren dann, wie wir Verluste verteilen.
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Mhm. Und bisher haben wir, wenn überhaupt, wenn man historisch rekonstruieren kann, dass Kollektive in eine gemeinsame Richtung gegangen sind,
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dann hat das bisher immer gut geklappt,
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wenn sie sich von einer coolen Idee versammelt haben, wenn es was zu gewinnen gab. Lass uns gemeinsam dahinmarschieren zum Gewinnen. Wenn es darum geht, wir wissen, wir werden verlieren, dann entstehen äh Kämpfe,
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nämlich jeder will vermeiden, dass er verliert. Ja,
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und leider sind im Augenblick die Situation die Diskussion so, dass die sehr stark ähm an Verlustorientiert sind
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und dann macht es sehr schwer zukunftsorientiert zu handeln, denn die zukunftsorientiert handeln, wenn es darum geht, wir wollen Verluste vermeiden, ist eine relativ trostlose
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Angelegenheit. Und dann gibt’s aber auch noch so einen kleinen Punkt, wenn wir jetzt über Klima sprechen und wie die Gesellschaft darauf reagiert. Wenn wir jetzt wirklich handfeste Lösung hätten,
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,
ähm dann dann ich weiß nicht, dann könnte man es dann könnte man die diese dieses Beispiel FCK FCKW Verbot z.B.
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genehmen, wenn kaum jemand es wirklich mitbekommt in seinem Alltag dann äh und wir haben die Lösung und übrigens aber trotzdem, um das nicht zu schlecht zu sprechen, zu negativ äh zu
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zu framen, äh Wissenschaft und Politik haben gut zusammengearbeitet bei dieser FCKW Geschichte. Ähm das äh das das ist
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eine und technologisch war das äh war die Lösung schon da. Die war übrigens ja schon länger da offenbar, ne? Und dann wurd sie eingeführt und ein normaler
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Bürger, ich selbst war damals noch relativ jung, äh hat gar nicht mitgekriegt. Also es waren minimale Veränderung. Und ansonsten war alles gut. Ich befürchte, dass das nicht bei den anderen Problemen auch so klappt,
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dass man durch eine kleine technologische Veränderung ein Problem aus der Welt bekommt, aber positiver die Zukunft, also die Zukunft positiv und die Gegenwart nicht zu unangenehm.
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, 1 Sekunde
Ja. Äh irgendwie diese beiden Sachen zusammenbringen und das gelingt uns nicht gut. Aber was natürlich möglich ist, sich anzuschauen, wo ist es
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,
zumindestens in Teilen gelungen und das als Best Practice Beispiel mitzunehmen und zu gucken, kann man das woanders auch machen. Also, ob man an Kopenhagen
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denkt, wie sich diese Stadt entwickelt hat für die Fahrradfahrerin und Fahrradfahrer an Paris denkt, wie das mit dem Verkehrs 30 in der Stadt auf
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einmal oder an Barcelona denkt, da gibt’s dann diese Konzepte für diese für diese Stadtviertel und so weiter. also was auszuprobieren und dann vielleicht
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mit dieser 2080 Regel daranzugehen mit 20% Aufwand, 80% von der erhofften Wirkung zu erzielen und nicht immer mit
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so einem Überperfektionismus daranzugehen. Es muss aber alles sofort perfekt geregelt sein, sondern zu gucken, wir verändern mal die Welt ein bisschen und dann gucken wir mal, also
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dieser Iterative, dieses iterative, was hätte ich gesagt von den Naturwissenschaften in dem Fall lernen heißt wir irren uns empor. Das ist ja das, was die Naturwissenschaften
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auszeichnet. Unsere Irrtümer sind eigentlich das, was uns leitet, aber und diese Irrturskultur, die ist so wichtig,
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,
dass sie wahrgenommen wird, die wird sogar publiziert, dass alle wissen, da brauchst du gar nicht mehr weiterzumachen, das ist falsch, aber dann gehen wir in diese Richtung. Das heißt, wir werden neue Irrtümmer
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begehen, aber dann schon besser als die vorherigen. Und dieses allmähliche sich herantasten, das könnte ja auch mit einer Erzählung verbunden sein, z.B. äh,
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dass du dich zumindestens in urbanen Siedlungsräumen schon mal eher mit dem Fahrrad bewegst. Das sagt dir ja dein Arzt. dass du weniger Fleisch essen
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sollst, das sagt dir ja dein Arzt. Und wenn es zu heiß wird, dann sagt dir dein Körper, das ist gar nicht gut für dich.
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Du könntest also sehr wohl eine etwas ökologischere Lebensweise als etwas empfinden, was eher ein Gewinn darstellt als ein Verzicht oder als als ein
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Verlust. Oder denken wir nur an die an die Landwirtschaft, die könnte sehr wohl weniger, wenn sie ökologisch weniger
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produziert, aber sie würde ihrer ihrer ihrer Ressource, nämlich der Natur viel besser tun, als so wie sie das jetzt momentan macht. vor allen Dingen in Erwartung von Extremwetterereignissen,
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die dann möglicherweise in die ganze Grundlage ihres ihres Daseins wegnimmt.
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,
Also, das heißt, da gibt’s eine ganze Menge und ich habe den Eindruck, ich komme noch mal drauf zurück, ich habe immer wieder den Eindruck, es hat was mit Schnelligkeit zu tun. Also, wenn wir Dinge schnell tun und beschleunigen,
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dann brauchen wir mehr Energie. mehr Energie bedeutet, aber wir müssen sie irgendwo herholen und so schnell können wir gar nicht Photovoltage und Wind ausbauen. Momentan gerade mit den
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stoischen Algorithmen, da verlangen wir völlig neue Energiequellen und so weiter. Also ich würde immer denken, es
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kann also wie wie soll ich sagen, nichts hat mehr Attraktivität als Erfolg. In dem Moment, wo z.B. ein Dorf begonnen
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hat vor 20, 25 Jahren, sich mal Gedanken zu machen, wo wollen wir hin? äh und sind zu einem Energiedorf geworden und die anderen Dörfer haben jetzt weg, guck
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mal, wie das bei denen läuft. Die haben jetzt auf einmal Möglichkeiten, die können eine Kita bauen, die haben da jetzt, ne? Und schon heiß ja, sagen mal,
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das ist ja ja, [gelächter] das ist das ist hochinteressant, sich das anzuschauen. Das heißt, im Grunde genommen müssen wir dafür sorgen, dass
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, 1 Sekunde
Dinge beginnen, sich zu verändern und dann hoffen, dass es in die richtige Richtung geht, wohlwissend, dass in anderen Bereichen dieser Welt es
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,
vielleicht in eine ganz andere Richtung geht, aber wir sollten, weil wir in Europa zu Gesellschaften gehören, die handeln können, wir haben Optionen, das
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muss man sich mal überlegen, was das bedeutet. Wir können tatsächlich verschiedene Möglichkeiten ausprobieren.
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In anderen Ländern ist das nicht der Fall. Aber das ist schön, dass er das sagt,
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weil das würde also ich ken auch Fragerund klar, aber ich sag’s ganz kurz, es ist überhaupt nicht ausgemacht,
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dass die ganze Geschichte eindeutig negativer läuft. Nur damit, dass weil wir gerade auch die, also ich besonders so problemiert gesprochen habe, ne? Du
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hast mir den Ball praktisch auf 11 gelegt.
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Ja, aber ich will n ich will nur noch mal sagen äh es muss nicht so weitergehen. Es es wird wahrscheinlich nicht klappen ohne ähm paar irreparable
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Schäden, die schon passiert sind. Ich ich beschreibe das immer. Wir fahren von der Wand und jetzt sehen wir, der Aufprall ist nicht mehr zu verhindern.
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Aber ob der Aufbrall einen kleinen Kratzer gibt oder ein Totalschaden, das liegt in unserer Hand. Also und deshalb darf das sich ja auch nicht alles so
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,
pessimistisch anhören, ne? Aber wir könnten noch über viele andere Sachen sprechen, die es zu berücksichtigen gebe.
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Ja, voll. Wir müssen uns vielleicht noch mal verabreden. Ich würde nur gerne eine schnellfrage schnellfeuerfragerunde,
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die heißt nicht ohne Grund, so, sondern weil am liebsten auf jede Frage einer antwortet und einigermaßen kurz. So ist es leider und schnell [gelächter]
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nicht schnell muss nicht entschleunigt.
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Entschleunig. Also sind nachfolgende Generationen denn nicht weniger in der Lage, den Hebel umzulegen, wenn es die jetzige Generation schon nicht
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hinbekommt? Fragt hier jemand. Also, da spielt wieder dieses Zeitelement dann eine Rolle.
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Ja, also alles, was noch reparierbar ist, werden zukünftige Generationen besser hinkriegen als wir, aber ähm wir entscheiden, wie viel überhaupt noch
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reparierbar ist. Also das ähm das, aber ich beides stimmt. Also ja, müssten, könnten, sollten nur Analysen,
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aber keine Lösungen schreibt hier jemand einfach. Das gebe ich jetzt mal so mit rein. Ähm damit will derjenige wahrscheinlich sagen, dass äh du mich nicht verstand auch Erklärung.
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Na ja, wir wir müssten wir könnten, wir sollten es so und so machen. Ich glaub,
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derjenige will noch mal drauf, da können wir uns ja vielleicht gleich nach dieser Schnellfeuerrunde noch mal mit beschäftigen. Wie kriegen wir es denn nun wirklich hin? Kurz zum Ende, ne?
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Ähm, vielleicht diese dieses gemeinsame,
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also ich glaube, das da spricht auch ein bisschen Frust aus der Person. Ähm ja, jetzt verstehe ich. Ja,
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genau. Ähm, dann schreibt hier noch jemand: “Der Kapitalismus ist das Problem, darf man ruhig aussprechen.”
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Haben wir, glaube ich, auch schon so in die Richtung äh ähm thematisiert, was das was für eine Rolle das die Thema das Thema Ökonomie auch spielt.
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Ähm oder würdet ihr das so bestätigen oder nicht?
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Also klar, ähm Beschleunigung und Wachstumszwang hat was mit Kapitalismus zu tun, aber
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ähm es ist sozusagen Problem und äh und äh die Grundlage für Lösungen zugleich.
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,
Mm.
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,
Also es ist nicht so, dass wir einfach sagen, komm, wir schalten jetzt den Kapitalismus aus und dann funktioniert’s,
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sondern alle Fortschritte, die die wir gemacht haben, hängen sehr eng mit dem Kapitalismus zu tun äh zusammen. Und deshalb es stimmt, aber man muss halt
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sehen, dass der nicht einfach auszuknipsen ist. Also das ist leider ähm nicht so einfach möglich. Deswegen verwende ich ungern den Begriff Kapitalismus, wenn damit gemeint ist,
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was du auch gerade meintest, hohe Macht äh und Geldkonzentration,
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monopolistische Tendenzen und so weiter und so fort. Klar, aber ähm ziemlich viele Fortschritte äh die wir
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gemacht haben, fallen nicht zufällig in die Zeit des Kapitalismus.
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Genau. Und man muss unterscheiden noch mal beim Wachstumsbegriff zwischen quantitativen Wachstum und qualitativen Wachstum. Es könnte sehr wohl sein, dass
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eine kapitalistische Gesellschaft beginnt, sich der Qualitäten wieder zu erinnern und vielleicht neue Qualitäten zu ähm zu entwickeln, die dann ebenfalls
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,
wiederum in so eine Wachstumsdynamik reinkommen. Die Frage ist immer, welche Steuerungsmechanismen wir praktisch von oben über die über die Gesellschaft
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stülpen, dass die Dinge sich nicht, dass sie nicht aus dem praktisch komplett aus dem Gleichgewicht laufen. Und da haben
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wir hatten wir also ich möchte nur mal dran erinnern, der New Deal von Roosevelt in den 30er Jahren war eine
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Regulierungsmaßnahme auf der einen Seite und eine unglaubliche Finanzierungsschub auf der anderen. Auf einmal wurde die Anzahl der
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Steuerzahler in Amerika verdoppelt, die Reichen wurden besteuert bis zum geht nicht mehr. Gleichzeitig aber wurde das Geld genommen, um Vorort Infrastruktur
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überall in den USA auszubauen. Der New Deal ist meiner Ansicht nach die einzige relevante erfolgreiche Antwort auf die
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Katastrophe 1929. Das wurde in anderen Maßnahmen, ob es nun der Kommunismus war, der Faschismus, die haben völlig versagt. Aber der New Deal hat die USA
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zu einem zu einem überaus handlungsfähig Land gemacht. Das wäre ein Bach runtergegangen, wenn es nicht diese Phase gegeben hat. sogar bis hin dann in
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dem Moment, wo die Japaner in Pearl Harbor die USA überfallen haben und praktisch Roswelt von einem Tag auf den anderen sämtliche Regulierungsbehörden
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geschaffen hat, wo wir uns heute gar nicht vorstellen können, dass die jemals in den USA am Werk waren. Also die haben z.B. Also, ich will das gar nicht jetzt in Detail, aber das ist für mich so ein
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Punkt, wo man merkt, man kann durch Top Down auch von auch Bottom up Dinge wirklich beflügeln, wenn die
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Rahmenbedingungen stimmen, in denen in denen dann die entsprechenden Veränderungen sich vollziehen. Aber diesen Unterschied muss man einfach machen, nicht immer wieder mehr vom
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gleichen, sondern manchmal kann es wieder neu beginnen. Und das erleben wir ja auch jetzt aktuell ähm z.B. in der Branche der äh der Technologien für den
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Klimawandel ist ja diese enorme exponentielle Wachstum bei Photovoltaik,
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bei Batterien. Batterie ist momentan the next big shit in town, würde ich sagen.
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Was da passiert momentan ist unvorstellbar und überfordert auch die Konkurrenten. Also bei den Gaskraftwerken ist schon ewig nichts mehr passiert. Bei der Brennstoffzelle ist schon ewig nichts mehr passiert,
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aber bei den Batterien, jeden Monat gibt es neue Batteriemodelle und die neuen Feststoffbatterien, die es da gibt, du lieber Gott, wenn das stimmt, was man da
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zu hören kriegt, dann ist das ja, das sind Sprunginnovation und insofern du hast völlig recht, das kann auch richtig gut laufen. Ja, wir wissen noch nicht ganz genau, wie es läuft,
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aber es kann richtig gut laufen. Ja,
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ich habe noch zwei Fragen, dich die ich gerne kombinieren würde. Äh nämlich da geht’s mal ums Bildungssystem. Wie realistisch ist denn eine Reform unseres maximal reformbedürftigen
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Bildungssystems? Schreibt hier der Ogi und Gulp Gulpitus schreibt: “Warum verdoppeln wir nicht unsere Ausgaben für
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die Bildung?” Vielleicht kannst du da kombiniert drauf eingehen.
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Also, ich sag mal an an der Frage kann man alle anderen auch dran dran festmachen. Ähm wir ich glaube man kann
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alles reformieren. Ist schon alles ist möglich. Also nicht ganz alles, aber ziemlich viel. Aber es muss erst schlimm
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geworden sein, ne? Und das, was wir jetzt in der Bildungsforschung messen,
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ist, dass es schon feststeht, dass es schlimm wird, aber es wird noch so 5 se Jahre dauern, bis das der Arbeitsmarkt merkt und die Gesellschaft insgesamt
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merkt. Deswegen bin ich mir ziemlich sicher, dass wir ähm von jetzt an sehr viele sehr viel Engagement sehen. Ich krieg das auch schon ein bisschen mit,
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aber es ist noch nicht schlimm genug geworden. Das heißt, wir sind ziemlich gut da drin, wenn der Handlungsdruck enorm ist. Also als Beispiel, als die Pandemie da war, hatten wir fast ein ganzes Jahr, wo alle kooperiert haben.
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Das, was wir eigentlich systematisch bräuchten, ist in der Pandemie passiert. Das heißt,
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wenn der Handlungsdruck enorm ist, aber der muss dann schon schlimm sein, dann äh glaube ich ist unsere Gesellschaft schon anpassungs und reaktionsfähig. Das
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Problem ist jetzt bei sowas wie Klimawandel oder sowas wie KI wä es ganz gut vorausschauend zu handeln und nicht erst dann, wenn es ganz schlimm ist,
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weil Klimaforscher sagen, wir wir merken es doch jetzt schon, nee, es ist noch nicht schlimm genug.
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Damit es damit die Leute es so richtig wahrnehmen, muss es müsste es richtig schlimm sein. Bezogen auf Bildung ist es ist es jetzt schon messbar, aber nicht
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für die Gesellschaft insgesamt Wahrnehmer. Und deswegen ähm deswegen würde ich kann ich mir sehr gut vorstellen, dass z.B. so ein engagiertes
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äh eine engagierte Verdopplung der Bildungsausgaben. Verdopplung, weiß nicht, ob das so schnell geht, aber dass das steigt, das äh halte ich für gar
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nicht so ausgeschlossen, wenn die Gesellschaft merkt, dass sie nur so Zukunft erhalten kann. Ähm aber dafür muss es erst schlimm sein. Noch haben
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nicht alle diese Wahrnehmung. Aber in diesem Zusammenhang ist es wichtig noch mal zu betonen, dass erfolgreiche Transformationen, die vollziehen sich
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dann, wenn es genügend Nischen gegeben hat, die vorher die Optionspalette groß gehalten haben. Denn wenn es dann zu diesem Moment kommt, wo jetzt heißt, ja,
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was machen wir denn jetzt? müssen die Optionen da sein. Ja, das heißt für alle diejenigen, die sich engagieren, die jetzt an alternativen Bildungskonzepten arbeiten, dran bleiben, dran bleiben,
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dran bleiben. Wenn es drauf ankommt,
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seid ihr die allerwichtigsten, weil ansonsten würde man in diesem Mainstream bleiben und einfach immer weiter das machen, was das ist so wichtig und das sieht man ja auch in der in der
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Schullandschaft, es gibt immer wieder Schulen, die ja dann z.B. auch den Schulpreis kriegen und so weiter, wo man sagt, wow, was ist alles möglich? Es gibt großartige Lehrerinnen und Lehrer
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in Deutschland, die sich engagieren bis zum fast hätte ich gesagt, geht nicht mehr und und den noch mal zuzurufen, das ist so wichtig wichtig. Ja,
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und das passt perfekt zu dieser Frage von Maria. Gibt es eigentlich Schulfächer, die aus der Zeit gefallen sind bzw. welches Schuhfach sollte
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unbedingt eingeführt werden? Also, wenn es mal ganz konkret sagen willst und die diese alternativen Bildungsmodell anschaust, hast du da was?
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Na ja, also was ich was ich immer sagen würde, ist, dass es Schulfächer geben muss, die viel viel mehr Handson arbeiten. Also viel weniger mit diesem virtuellen, was da ist, das digitale,
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sondern viel mehr mit Hands on. Also so früh wie möglich spüren, dass die Hände in unserem Gehirn so abgebildet werden,
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dass unser unser kognitive Apparat spiegelt sich in unseren Händen wieder.
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Und das ist nicht so, sondern hier damit, dass wir wirklich in der Lage sind, was zu tun und dieses diese Fähigkeit etwas zu begreifen, wie wir es
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ja auch im Deutschen immer so schön sagen, das ist da, glaube ich, das A und das O. Das bedeutet aber auch in vielerlei Hinsicht äh auf einen Unterricht wiederzukommen, der der
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unsere der unsere Fähigkeiten, die wir haben, auch anspricht. Also ich sage immer lesen, schreiben und rechnen, das
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muss so gekonnt werden, dass man wirklich mit allen möglichen Herausforderungen, die jetzt nicht also was weiß ich, Prozentre rechnen und
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ebene Geometrie und Dreisatz und so weiter, das muss man einfach haben, wenn das so und so viel kostet. Was kostet dann so und so viel? Also einfach was lebensweltlich relevantes. Das müssen
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die Kinder lernen und das müssen sie so gut können, dass sie sich drauf auf sich verlassen können, dass sie niemand irgendwie sozusagen über den Tisch ziehen kann mit irgendwelchen
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Zahlenspielereien und so weiter. Dafür musst du aber schnell genug im Kopf rechnen können. Wenn du das nicht mehr kannst, dann kannst du in dem Gespräch nicht sofort entscheiden, ach dem oder
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dir ihr trau ich, sondern aha, das und diese dieses Selbstbewusstsein, was man dadurch bekommt, dass man elementare
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Fähigkeiten hat, um sein eigenes Leben zu meistern, das ist glaube ich das A und das O, was Schule bereitstellen mus. Dar kurz ergänzen ganz kurz, ne?
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Weil Harald hat ja eingangs, hast du erzählt, dass das Gehirn durch KI jetzt z.B. ähm fauler wird, ne? Bissen kürz
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ich mal so ab. Das gleiche haben wir vorher mit dem Körper erlebt, ne? Ähm und der, also das, wir müssen damit
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aufhören äh zu sagen, äh das eine oder das andere, Menschen sind körperliche und kognitive Wesen und beides muss in
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der Schule gestärkt werden und zwangen nicht über Fächer, lass uns Fächer vergessen, sondern Handwerk, der Umgang mit Körper, auch Gesundheit und so
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weiter muss genauso in der Schule gefördert werden wie alles kognitive und äh das Künstlerische nicht zu vergessen, um
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Gottes will, Musik, Kunstwerk, alles Aber Kunst gehört in beides rein. Kunst ist einmal bei Schauspiel was körperliches, aber Kunst ist auch was
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Kognitives und so, ne? Und wir müssen beides fördern, weil wir gemerkt haben,
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wir wir können durch äh Technologie es schaffen, sowohl unseren Körper als auch unseren Geist äh ähm ja überflüssig [gelächter] zu machen.
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Also über überflüssig zu machen, aber dann auch schlechter. Wir haben wir haben Probleme mit Übergewicht, wir haben Probleme mit Bandscheibenvorfällen und so weiter und so fort und wir werden
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Probleme haben mit hier oben. Das ist ja schon absehbar. Ich bin voll bei Ich muss bisschen und das muss bei Kids gestärkt werden,
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dass wir diese Dinge, diese Muskeln hier oben und hier trainieren, ob wir sie brauchen oder nicht, weil es einfach geil ist, weil wir es einfach haben,
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weil wir so sind und so weiter. Und deswegen muss das auch alles ein bisschen weniger nutzen orientiert sein.
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Wir wissen gar nicht, was wir in 50 Jahren brauchen. Schön. Ja, voll. Ja, ich recht.
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Ich mache mal eine Klammer hinter dieses schnellfeuer Fragenrunde. Wir müssen schon so langsam Das war gar nicht so schnell feuer, aber das lag an mir und ein bisschen [gelächter] auch an dir.
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Doch, doch. Wir haben schon, ich finde,
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wir waren nicht schlecht. Wir waren schon wes schlechter. Ja, genau. Nein,
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wir machen dahinter war eine Klammer und ich würde gegen Ende jetzt noch einmal gerne noch mal wirklich dahinschauen,
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weil dieses diese dieser Kommentar mit dem Frust, ne, was wir müssten das und das mal der beschäftigt mich noch. Also einmal wirklich noch mal auf die Lösung kommen, wie werden wir denn jetzt zu einer handlungsfähigeren Gesellschaft,
1:08:08,
wo wir vielleicht irgendwann mal alle die Nachrichtenlage uns betrachten und denken, ja, super schlaue Entscheidung, wisst ihr, wie ich meine?
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Dazu passt ganz gut noch diese Frage hier, finde ich, von Nordic More. Ist es denn nicht so, wenn man eine positive Zukunftsvision zeichnen möchte, dass
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dann die Medien auch die öffentlichrechtlichen, weniger Panikschlagzeilen verbreiten sollen sollten? Also, was du auch vorhin
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angesprochen hattest, dieses ähm wenn wir schon Verlust vielleicht in Kauf nehmen müssen, was braucht es dann? Mhm.
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Braucht es.
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Ja, ich will eigentlich so ein bisschen auch dieses Thema Vertrauen oder viele schreiben was über Empathie auch im Chat. M Mhm. Wisst ihr was ich meine?
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Also wie werden wir handlungsfähig?
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Also das das Ding ist, es ist tatsächlich gerade so komplex, dass ich nicht jetzt sagen kann, es gibt eine Lösung. Also das wäre auch echt ein Verbrechen, wenn ich sie dann nicht schon längst jemandem erzählt hätte, ne?
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Es gibt keine Lösung, aber aber es gibt so Ansatzpunkte. Ähm, es gibt es gibt ganz viele, wir haben jetzt halt keine Zeit für, man kann ja mal ein Buch von mir reinschauen, aber [gelächter] es
1:09:08,
gibt ganz viele. Und ich ich sag jetzt mal nur einen, der daran anknüpft, was was du jetzt auch gerade gesagt hast.
1:09:13
Ähm äh wir wir können uns gar nicht einigen auf eine positive Zukunftsidee im Augenblick, aber ein Fortschritt wäre schon über die Zukunft zu streiten.
1:09:22
Wir streiten uns gerade immer nur über die Gegenwart und dann gibt’s manche, die sagen,
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früher war alles besser, das ist tendenziell populistisch äh und dann gibt’s andere, die versuchen nur die Gegenwart zu managen oder halten
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an etwas fest und wollen ke wollen nicht verlieren und so weiter. Wenn man ganz genau sich anschaut, wie öffentliche Diskussionen und auch private
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Diskussionen ablaufen, da ist die Zukunft weg. Und das ist vielleicht etwas, woran man arbeiten kann, über die Zukunft zu sprechen. Und dann darf das
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auch polarisiert sein. Das kriegen wir jetzt nicht weg. Dann darf das auch äh ähm konfliktreich sein. Soll sogar streiten. Aber stell dir einfach nur
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vor, wir würden sagen, alle diskutieren jetzt miteinander. Es gibt nur eine Regel und die Regel heißt nicht: Seid lieb zueinander, weil das kriegen die Menschen gerade offensichtlich nicht
1:10:06 ,
hin, sondern wir dürfen nur über die Zukunft sprechen. Keiner redet über jetzt und keiner redet über gestern,
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sondern wir reden nur darüber, wo wollen wir 2040, 2050 und so weiter stehen. Und schon wäre das Problem etwas gelöst. Wir
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hätten dann noch nicht eine positive Zukunft. Aber wir hätten dann eine Zukunft und im Augenblick reden wir nicht über die Zukunft. Warum? Weil alle stillheimlich das den Untergang sehen.
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Weil wenn wir jetzt in den Studien schauen, glauben so viele Menschen wie noch nie, dass die Zukunft negativ sein wird. Und noch nie gab es so viele
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Großeltern, die geglaubt haben, dass ihre Enkelkinder nicht einmal so gut leben werden, wie sie selbst und so weiter. Und so wachsen dann ja auch wieder Kinder auf mit dem Mindset bei
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Eltern und Großeltern und wir müssen über die Zukunft streiten, ohne eine Lösung zu haben.
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Mhm. Äh und das das wäre ein Ansatzpunkt, wie das jetzt funktioniert.
1:10:56
Aber das wäre z.B. etwas, was medial gestärkt werden könnte. Politisch ist sehr schwer bei so vielen Wahlkämpfen und so weiter, aber äh die, dass die Zukunft überhaupt wieder auftaucht.
1:11:07 ,
Aha. Bevor wir über eine positive sprechen,
1:11:09 ,
erstmal überhaupt über die über Zukunft sprechen und dann dürfen wir uns darüber streiten. Also lautet die eigentliche Frage nicht, sind wir zu dumm für die Zukunft,
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sondern sind wir zu wenig an der Zukunft interessiert? Die Zukunft ist uns erstmal abhanden gekommen und die Zukunft, ich meine, es passiert ja eh
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passieren ja eh Dinge, wir haben noch nie Pläne Pläne geschafft, so ne, selbst wissenschaftliche Projekte laufen nie so wie man sich plant, aber ohne Plan und
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ohne Kompass und so weiter klappt’s auch nicht. Wir müssen also an beiben arbeiten und deswegen ist es auch in Ordnung über Zukunftsvisionen zu
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sprechen im Wissen. Sie werden nicht genauso ablaufen, sowieso ein Kompass.
1:11:43
Da damit kommt man auch nicht präzi genau ans Ziel, aber wir sprechen dann wenigstens über das Ziel im Augenblick. Also jetzt metaphorisch
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sitzen wir auf einem Boot und streiten uns über das Essen auf dem und so weiter und und so und und übrigens dann haben junge Menschen das Gefühl, sie hätten einen
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guten Platz auf der Titanic, die untergeht. M das ist so das paradoxe Kinder leben ja einigermaßen gut heute, aber haben halt
1:12:07 ,
das Gefühl, das Schiff geht unter und das und so weiter und und wir reden gar nicht darüber, wo wir eigentlich hinfahren und warum überhaupt und so weiter, ne? Und das müsste wieder zurück.
1:12:15
Da bin ich da kann ich dir nur sehr zustimmen und eine der ganz tollen Maßnahmen ist an Schulen zu gehen und über Berufe zu sprechen. Ja, über Berufe
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zu sprechen und was du was damit verbunden ist.
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Wir wir machen z.B. In unserem Klimaprojekt haben wir so ein so ein eine Abteilung Berufe in der Energiewende
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und wir wo dann sagen, was wo wird das wichtig werden, also diejenigen, die das die Fotovoltaik aufbauen, die das betreiben und soweit, die also jetzt die
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wir jetzt brauchen, um in Zukunft ein Netz zu betreiben, was wir noch gar nicht haben, aber was wir haben wollen.
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Das heißt, da gibt’s eine klare technologische Perspektive, wo wir eigentlich hin wollen. Bei all den Schwierigkeiten, die da lokal da so sind und wie die einen sagen so und die
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anderen sagen so, ganz egal. Wir sehen die erneuerbaren werden es werden alles schlagen. Ja, das wird vielleicht ein bisschen dauern, weil die Einbeter
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versuchen, aber that’s the way it goes definitely. So, das heißt, wir brauchen Leute, die können das und das und das und das äh und das ist tatsächlich eine
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Zukunftsgeschichte, die dann auch im Klassenraum zu interessanten Gesprächen führt. Und vor allen Dingen auch noch mal drauf hinzuweisen, stell dir doch
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mal vor, du ja, bevor du jetzt gleich wieder sagst, ich will studieren, überleg dir doch vielleicht lieber mal,
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ob es nicht für deine Zukunft besser wäre, mal so ein Abschnitt zu haben, wo du Berufsausbildung machst und dich mal ganz anders erfährst, als immer nur als
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jemand, der da in der in der im Klassenraum oder im Vorlesungssal sitzt,
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dem man irgendwas sagt, sondern werd wird mal aktiv. Auf einmal sind Eigenschaften von dir gefragt, wie Pünktlichkeit, Genauigkeit und so weiter. Und zwar nicht, damit du
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Übungsblätter ausfüllst sozusagen nur simuliert, sondern hier geht’s um was.
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Man man setzt auf dich, man setzt auf deine Fähigkeiten und so weiter und vielleicht stellst du dann fest, du willst gar nicht studieren, weil das wirkliche Leben außerhalb der Universitäten und Hochschulen viel viel interessanter für dich ist.
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Aber jetzt kombiniere ich Harald als Idee von gerade mit meiner Idee. Ist das schon ein Fazit dann? Fast.
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Ja, gut. Du kannst es entscheiden, ob das Fazit ist, weil Harald [gelächter]
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hat gesagt, wie toll das war früher zwischen den Generationen zu sprechen und wie die das damals gemacht haben. Und tatsächlich braucht man genau sowas,
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aber über die Zukunft sprechen, nicht über die Vergangenheit, äh aber über die Generation hinweg. Also das wäre z.B. ein Lösungsansatz, wenn
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wir es hinbekommen würden, dass viel mehr Austausch zwischen Enkeltern und Großelterngenerationen gibt und zwar über die Zukunft. Ja, schön.
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Warum ist das so wichtig? m Wir leben in der Demokratie, wo Rentnerinnen und Rentner die Wahlen entscheiden und das wird in Zukunft noch krasser sein als heute. Das heißt, wenn
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wir über die Zukunft sprechen, müssen wir in einem intergenerationalen Austausch darüber sprechen, wie soll es 2030 sein? Okay, das erleben noch alle
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hier im Raum. Wie soll es 2040 sein und die ersten sind sich schon nicht sicher,
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ob sie dann noch leben? wie soll 2050 sein? Die ersten sind sich jetzt ganz sicher, dass sie dann nicht mehr leben und so weiter. Und damit man dann erkennt,
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das ist ziemlich wichtig, dass die Zukunft für viele Menschen sehr unterschiedlich bedeutet. Wir haben einen großen Teil der Bevölkerung, für
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die ist 2040 kein realistisches Jahr mehr,
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indem sie noch etwas davon haben, wenn dann erst die Dinge besser werden und so weiter. Und gleichzeitig ist aber das Interesse für junge Leute, die noch
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ziemlich lange zu leben haben, also heutige Kinder werden das nächste Jahrhundert noch erleben. Daüber machen wir uns keine Gedanken. Ähm und zwar im Durchschnitt ganz entspannt,
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ne? Also sogar 18-Jährige heute werden das nächste Jahrhundert tendenziell erleben und äh von daher über die Zukunft sprechen, aber dann nicht ein
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paar intellektuelle unter sich, sondern intergenerational.
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Ähm und dann merken wir, wo sind die Baustellen? Das finde ich ein super schönes Fatit,
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das ich quasi aus unserem Gespräch ähm gebildet hat. Ich würde dir trotzdem gerne noch mal das letzte Wort geben,
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Harald, wenn du die jetzt noch mal diese bisschen über eine Stunde haben wir jetzt schon gemacht, noch mal so Revue passieren lässt. Wir sind ja gestartet mit dem zu sind wir zu dumm für die
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Zukunft, sind dann eigentlich bei unserer gesellschaftlich Handlungsfähigkeit gelandet. Was wäre noch mal so dein dein Fazit, wo es hingehen muss?
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Also, ich liebe ja eine Lebenshaltung ähm die heißt Possibilismus, also sich wirklich zu überlegen, was für Möglichkeiten habe ich so und das
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bedeutet aber, dass ich aufmerksam bin und diese Möglichkeiten auch irgendwie wirklich wahrnehme und sie und nicht stur an ihnen vorbeigehe. Das hat was damit zu tun, wie wie viel Zeit ich mir
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am Tag auch gebe, um solche Möglichkeiten wahrzunehmen und nicht nur als Funktionseinheit so zu funktionieren. Also sich ein paar Päuschen am Tag zu leisten, wie ich
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immer sage, eine Stunde E-Mail am Tag reicht aus und den Rest, niemand von uns setzt sich 24 Stunden vor seinen Briefkasten und wartet, dass ständig Briefe reinkommen. [gelächter]
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Das sollte man nicht tun. Ja, also wenn man all diese digitalen Tätigkeiten mal ins analoge Leben sieht, dann merkt man erst, wie man wie wie man auch leben
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kann. Und äh wie Michael Weißflug es ja so v wunderbar formuliert, Pessimismus ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können und Resignation ist
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Zeitverschwendung. Wir leben. Ja, Gott sei Dank. Wir leben, wir dürfen leben. Wir dürfen hier sein, da sein, so sein. Wir sind ein Wesen, das handeln kann.
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Und gerade wir in Europa sind so ausgestattet mit solchen großartigen Optionen, da wäre alles andere wäre eine wirklich, also das wäre eine schwere
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schwere Straftat, sich nicht um die Möglichkeiten zu kümmern und mit den also wirklich mit Enkeln und und Kindern
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zusammenzusitzen sag so, so wie wie wie wollen wir es denn machen und ich bin mir sogar sicher, dass das all diejenigen, die dieses Gespräch führen,
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noch mal verändert und vielleicht auch ein kleines bisschen sozialgesünder macht, also nicht nur so auf sich zu blicken, sondern sagen, Mensch, dann lasst uns das doch jetzt mal machen,
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loszugehen und vielleicht ab und zu lohnt es sich auf dem Friedhof zu gehen.
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Da gibt es den Grabstein von Herbert Makuse. Weitermachen, Ausrufezeichen. Jawohl. Jawoh. Das finde ich sehr, sehr schön.
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Und vielleicht können ja diejenigen, die jetzt mit uns diese Zeit hier verbracht haben, einfach auch das tatsächlich mal machen und noch mal in die Kommentare schreiben, was sie dabei Neues so
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mitgenommen haben. Das finde ich eigent ein schönen Gedanken. Also diesen intergenerationalen Austausch, lasst uns teilhaben in den Kommentaren. Und damit sage ich auch danke schön,
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dass ihr dabei wart. Und danke in die Runde. Das hat irre viel Spaß gemacht mit euch. Danke an den Livechat, an eure Fragen, die haben das neue ganze noch
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mal echt bereichert. Abonniert super gerne den Kanal. Terx les und Co. Wird 10 Jahre alt. Ja, wer hätte das an diesem Kanal. Wir sind froh, dass er
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existiert und so lebendig ist. Äh und wenn ihr noch mehr zum Thema Intelligenz erfahren wollt, dann könnt ihr euch gerne die Sendung Terra X,
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Harald Lash und äh wie intelligent wir wirklich sind. So heißt sie. So findet ihr sie im ZDF zum Stream. Wir packen
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euch aber den Link auch super gerne in die Videobeschreibung und in den Livechat und damit tschüss bis zum nächsten Mal. Danke dir. Danke dir. Danke dir.
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Großartig. Großartig.
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[musik]
